Zwei Blondinen und der Gaspreis:

Erkenntnisse nach 8 Wochen Leben im Wohnmobil

Björn & Soni halten durch: nach 8 Wochen Leben im Wohnmobil gibt es viele ungeklärte Fragen, Erkenntnisse die die Welt verändern (könnten) und jede Menge unbezahlte Werbung.

oder direkt bei Spotify anhören: https://open.spotify.com/episode/5tHa9sFxhpIXpA71KtcW9K

Lästern und gelästert werden

„ach guck mal, da kommen die, die niemals zweimal auf denselben Platz fahren“

So ähnlich klang die Begrüßung auch, wenn man früher bei Tante Herha 30min zu spät zum Familientreffen aus der großen Stadt ankam.

Nur diesmal fühlen wir uns tatsächlich wie zu Hause: ankommen, Platz finden und den ersten Sekt aufreißen. Wir sind mal wieder im WoMo Hafen Scharbeutz (www.facebook.com/WomohafenScharbeutzerStrand). Wenn man sich an einem Ort so wohl fühlt wie hier, kann man moralische Grundsätze schon mal über Bord werfen. Haben wir getan, inzwischen zum siebten Mal.

Und während wir zufrieden in der Sonne sitzen und den ersten Glimmer des Tages haben, rollt ein WoMo nach dem nächsten auf den Platz. Wir fühlen uns moralisch total überlegen – waren wir doch rechtzeitig hier und haben noch einen Stellplatz ergattert. Außerdem brauchen wir längst nicht mehr soviel Zeit wie der Typ im grünen Van schräg gegenüber, bis wir am Strom hängen, die Stühle draußen haben und auf den Rampen stehen. Außerdem – der steht ja falsch herum. Das weiß man doch, dass hier in Fahrtrichtung ….. Moment mal! Lästern wir etwa gerade?

NEEEEEIIIIINNNN….!!! Wir stellen nur fest.

DOCH! Ich erwische uns dabei, wie wir vom allerfeinsten ablästern.

Dabei sind wir selbst doch die totalen Spießer geworden. WoMo-Spießer. Kaum schaffen wir es,  halbwegs pünktlich loszufahren, den Wassertank nicht ganz austrocknen zu lassen und immer ein olles Toastbrot an Bord zu haben, fühlen wir uns wie die Vollprofis. Und denken kurz darüber nach, dem Kollegen nebenan kluge Ratschläge zu geben.

Ich kann mich gerade noch beherrschen, aber es ist knapp. Ich erwische mich dabei, wie ich eine innere WoMo-Spießer-Monk-Liste abhake – mit erschreckendem Ergebnis.

Dinge, die wir niemals tun würden … wollten … naja:

  • 2x oder öfter an denselben Platz fahren
    hahahahahahahahaha …. nee, würden wir nie tun. Außer 7x, dann geht’s

  • Ausrichten in Fahrtrichtung, wie der Platzwart es wünscht
    Hallo? Wer sind wir denn, dass wir tun, was ein Platzwart will?! Also wir stellen …. „Schatz, passt das so? Stehen wir gerade?“

  • Dreiklang des Wohnmobilisten: auf die Rampen fahren, Strom anschließen, Klappstühle raus.
    ähm, ja? Wie denn sonst?

  • Satellitenschüssel ausrichten und abends GEMÜTLICH die Tagesschau gucken
    Haben wir nicht. Wollen wir tatsächlich auch nicht. Zumindest nicht, solange es Rotwein im Walter gibt.

    Und während ich gestern Abend draußen vor der Tür stehe und rauche, sehe ich alles doppelt und dreifach. Hmm, soviel Rotwein war es doch noch gar nicht…. In der Reihe vor uns flimmert es durch die Scheiben um die Wette. Drei Wohnmobile – ein Vollintegrierter, ein Alkoven und ein Offroad. Und bei allen drei flimmert dasselbe Bild über den Flatscreen, der größer ist als unsere Tischplatte.

  • Kunstrasen oder Teppich vorm Einstieg
    Da kann der Michael mit Jumbo auf Tour (www.facebook.com/MitJumboaufTour) noch so viel lästern und giggeln, nein! Eher zieht hier ein Saugroboter ein.

  • (Faltbare) Spülschüssel
    Nein, nein und nochmals nein. Solange ich in der Lage bin, einen schlecht laufenden Abfluss im Walter zu einem reißenden Strudel umzubauen, werde ich mich dagegen wehren. Nein Soni, auch nicht in pink!

  • Camping-Gas-Grill
    Also …. alles mit Gas ist ja kochen und hat mit Grillen nichts zu tun. Und wenn ich Grillfleisch möchte, muss ich eben vorher Holzkohle anzünden. Iss so.

    Ach so, darf man hier nicht. Brandgefahr. Hmm, verstehe.

    Nun ist es ja so, dass wir ein Geschenk bekommen haben. Von wirklich sehr lieben Freunden. Aus gegebenem Anlass haben sie sich zusammengetan und uns … also eher Soni  … ein wirklich großes Geschenk gemacht. Einen Camping-Gas-Grill. So recht wollte mir das mit der vorgetäuschten Freude nicht gelingen. Und das wurde wohl bemerkt: „warte ab Björn, Du wirst Dich noch freuen, wenn Holzkohle nicht erlaubt ist“

    Ja, würde ich jetzt tatsächlich. Scheiß auf Grillaroma-Holzkohle-blabla. Das Problem ist nur: wir haben ihn vergessen. Der niegelnagelneue Gasgrill steht genau dort, wo ich ihn zum Einpacken bereit gestellt habe: zu Hause.

    Über das hämische Kichern und Lachen der geliebten Grillbesetzerin brauche ich hier nicht weiter zu schreiben, oder?!

  • Multifunktions-Highend-Tracking-E-Bikes mit farblich passendem Helm, Multifunktions-Highend-Sportkleidung und Abdeckplane für den Fahrradheckträger
    hmm, also, nun ja. Haben wir. Alles, außer der Sportkleidung und Helme.
    Aber irgendwie auch nicht – die Fahrräder stehen nämlich neben dem Gasgrill und hoffen darauf, dass wir sie vielleicht beim nächsten Mal mitnehmen.

  • Multifunktions-Windbreaker im Partnerlook
    Ganz ehrlich, das ist Endstufe. Um am Strand spazieren zu gehen, braucht man keine Multifunktionsjacke. Und schon gar nicht eine in M und eine zweite in XL in derselben Farbe. Das haben nicht mal unsere Eltern gebracht.

    „kann ich ein T-Shirt von Dir haben? Ich habe keine mehr“

  • Thermo-Scheiben-Abdeckung
    ach nee, noch bin ich frisch verliebt und male lieber Herzchen in die von innen beschlagene Frontscheibe.

  • Gummi-Crocs in schwarz, blau oder rosa
    o.k., erwischt! Auch wir tragen das Camping-Einheits-Schuhwerk. Ist aber auch verdammt praktisch.

Es wird Zeit für ein erstes Frühstück. Nescafé Gold gibt mir immer noch das Gefühl von Freiheit, Zigaretten sind auch noch da und draußen scheint die Sonne.

Während ich in Gedanken unsere ganz persönliche Camping-Spießer-Bilanz ziehe, huscht in der Reihe ganz vorne ein müder Mann im Bademantel über den Platz. 7:4 für uns, noch. Liebe Grüße an den Mann im Bademantel, wir kommen wieder. Und vielleicht stellen wir uns dann ja mal neben Jumbo ….

Das Pullerlieschen & der Beckenrandschwimmer

Wenn Du einen Satz mit „eigentlich“ beginnst, kannst du es „eigentlich“ auch gleich ganz lassen

Eigentlich war das alles ganz anders geplant. Wild und geil sollte unser Leben sein, unkonventionell, frei und besonders.

Und nun sitze ich hier zu Hause, ungeduscht, im Jogger und obwohl es ein Sonntag ist, war meine Frau gerade beim Bäcker und hat Streuselkuchen zum Frühstück mitgebracht. Ich könnte glücklicher nicht sein.

Wie konnte es bloß soweit kommen?

Keine Ahnung. Aber ich weiß, dass wir wieder einmal nichts vorbereitet hatten. Naja fast. Einen großen Strauß Rosen hatte ich bestellt. Aber sonst? Walter stand auf der Einfahrt, wie ich ihn vor zwei Wochen abgestellt hatte. Das Spülbecken lag ausgebaut neben dem Chaos aus Ablaufstutzen, Schrauben, Dichtungen und Ideen, die nicht funktioniert haben. Ich hasse es! Ich wollte doch nur „mal eben“ den Abfluss umbauen, damit das Wasser im Spülbecken auch abläuft, wenn wir mit Walter nicht mindestens 45° Neigung nach hinten haben. Handwerklich hatte ich alles perfekt geplant und alles versucht. Allein – es half nix: ein neues Abflussset bestellt – zu klein, noch ein neues Set bestellt – zu groß. Aus beiden ein ganz neues zusammenschustern – passt nicht. Stundenlang online nach einer Gesamtlösung gesucht – nix gefunden. Ich habe keine Ahnung, wer diese Überlauf-Geruchsverschluss-rechts-um-die-Ecke-Ablauf-weniger-als-2cm-Spielraum-Abflüsse erfunden hat. Wasser fließt bergab – nicht geradeaus oder bergauf! Falls derjenige hier mitliest: danke für nichts! Wenn wir mit Walter vorne nicht mindestens einen halben Meter höher stehen als hinten, läuft der Dreck nicht ab. Und von dem Spott der anderen Camper würde ich Dir gerne erzählen, lieber Abflusserfinder.

Jedenfalls, 2 Stunden vor der geplanten Abfahrt habe ich das alte Teil wieder eingebaut. Frischwasser aufzutanken habe ich übrigens nicht mehr geschafft. „Machen wir unterwegs“, hab ich mir gedacht. Bis heute ist der Tank leer, den alten Abfluss haben wir nicht gebraucht.

Noch ein kurzer Blick zurück:
bevor wir hektisch gepackt, den alten Abflussstutzen eingebaut und kein Wasser getankt haben, sind wir überraschend pünktlich losgegangen. Amtsgeschäfte erledigen.

Inzwischen lieben wir es ja, in unserem kleinen Dorf aufs Amt zu gehen. (Link) Lange haben wir nach einer neuen Gelegenheit gesucht, Soni hatte die zündende Idee und jetzt war es endlich so weit.

Geduscht, gestriegelt und bester Dinge stehen wir vor der Tür: geschlossen. Gerade will ich nach der Nummer des für uns zuständigen Amtszimmers auf der großen Tafel neben der Klingel suchen, da öffnet uns eben jener Beamte die Tür persönlich. Fein im Anzug, dezente Krawatte und ebenso guter Dinge wie wir.

Im Anzug habe ich Herrn S. tatsächlich noch nie gesehen. Werde ich auch nie wieder, wie er uns später berichten wird, aber er steht ihm.

Wir werden fröhlich, fast überschwänglich begrüßt, ein kurzer Weg über die amtlichen Flure und schon sind wir da.

Plötzlich springt die Tür auf und ein großer Blumenstrauß schiebt sich herein. Dahinter kaum zu sehen unsere fröhliche Blumenfee, bei der ich vor einer knappen Stunde noch die bestellten Rosen abgeholt habe.

Von wegen „… man muss ja nicht bis zum Valentinstag warten. Blumen zwischendurch sind viel schöner….“ jajaja – Du hast alles gewusst und trotzdem nichts gesagt! Sehr schön, es tut gut zu wissen, wer hier im Dorf noch Geheimnisse bewahren kann.

Jedenfalls bekommen wir überraschend einen Blumenstrauß hereingereicht und dann soll es losgehen.

Haben Sie die xy-Papiere dabei“?

….???“ „nee

na gut, dann muss ich das eben vorlesen. Dauerts halt länger

Nachdem wir 4 Mal bestätigt haben, dass alles seine Richtigkeit hat, geht’s auch schon los.

hier hat übrigens noch nie jemand „nein“ gesagt

Ich fühle mich emotional leicht unter Druck gesetzt.

Für mich ist das hier übrigens die Letzte – für Euch bitte auch

Alles klar, der meint das ernst.

wollen Sie den hier anwesenden … …“

ja

Soni meint es auch ernst, so schnell und klar war ihre Antwort.

Und weil ich es ebenso ernst meine, antworte ich auch schnell und deutlich „ja

Die Unterschrift mit meinem neuen Namen hakelt noch etwas, aber Herr S. verspricht mir, dass niemand außer ihm jemals wieder diese Urkunde anschaut. Und er geht ja nun bald in den verdienten Ruhestand.

Weil hier angeblich noch nie jemand „nein“ gesagt und er uns im Vorfeld vertraut hat, sind alle weiteren Unterlagen schon fertig. Mit Stempel und Siegel und so.

„Eigentlich“ wollten wir diesen Moment und diesen Tag ganz für uns alleine haben. Trotzdem hören wir ein Rufen und Winken, als wir vor die Tür in den schönsten Sonnenschein treten. Ein wenig Familie, engste Freunde und jede Menge Sprutzel. Herrlich!

Wir betrinken uns in der Sonne, Herr S. kommt dazu und plötzlich wirkt alles gar nicht mehr so amtlich. Kurz bevor wir gehen, wird uns noch eine ganz besondere Ehre zu Teil. Wir beschließen, der Chefin vom Einwohnermeldeamt (eigentlich ist sie die heimliche Chefin des ganzen Dorfes) zur Feier des Tages auch eine Dose Prosecco zu bringen.  Weil die Amtszeit des Amtes bereits vorüber ist, werden wir durchs Fenster begrüßt und privat eingelassen. Wir plaudern, scherzen und verabreden uns für den Sommer auf Weißwein und Garnelen in Scharbeutz. Und plötzlich bietet uns Frau D. das „Du“ an.

Mehr geht nicht an diesem Tag!

Drei Stunden später. Aus einer geplanten, kleinen Mittagsruhe wird ein ausgewachsener Mittagsschlaf. Jetzt aber schnell. Immerhin haben wir für den Abend in Hamburg reserviert. Die Tische sind so begehrt, dass ich tatsächlich die „wir heiraten an diesem Tag“ Karte ziehen musste, um überhaupt einen Tisch zu bekommen. Wir sollten also besser pünktlich sein.

Es beginnt der übliche Tanz, kurz bevor wir losfahren: Soni packt einen Wäschekorb mit Klamotten, einer Notration Wein, Wasser für Kaffee und Tee und dies und das. Björni trägt Bettzeug, Schuhe und technischen Krimskrams in den Walter. Diesmal aber erst, nachdem das Spülbecken wieder eingebaut und verschraubt ist – aber das wisst Ihr ja schon.

Jedenfalls sind wir freudig erregt, auch wenn es hektisch ist. Karlchen weiß gar nicht was los ist, guckt verwirrt und hat vor allem Angst, dass er allein zurückbleiben muss. Kommt gar nicht in Frage, das Rudel bleibt zusammen. Für immer, wie uns Herr S. ja heute von Amtswegen empfohlen hat.

Wie auch immer wir das geschafft haben, wir kommen halbwegs pünktlich los. Walter schnurrt, auch wenn der Tank fast so leer wie die Frischwasservorräte sind. Aber irgendwas ist ja immer. Egal, wird schon klappen.

Wir kommen ohne besondere Vorkommnisse am Hafen an und finden auf Anhieb einen Walter-tauglichen Parkplatz direkt vor der Tür. Ich sag ja – das wird unser Tag heute.

Es wuselt, es ist hell, es ist bunt, es ist laut, es stinkt nach Fisch – wir lieben Hamburg!

Die nächsten drei Stunden werden wir verwöhnt, wie es uns sonst nur in den Amtsstuben unseres kleinen Heimatdorfes passiert: ein gediegenes Ambiente, Blick auf den Hafen, ein extrem aufmerksamer, aber unaufdringlicher Service. Nicht zu vergessen die Hamburger Kodderschnautze, mit der jeder Gang und jedes Glas Wein begleitet wird.

Während wir uns aneinander und über das Essen freuen, schweift der Blick zu den anderen Gästen.

Am Tisch direkt hinter uns feiert eine große Familie Papas Geburtstag. Ich schätze, er ist 60 oder 65 geworden. Die drei gerade eben erwachsenen Söhne lümmeln am Ende des Tisches, kratzen genervt die Kräuter vom Steak, trinken den teuren Rotwein wie Wasser und sind ansonsten derart gelangweilt, dass sie nach kurzer Zeit anfangen, Minecraft oder ähnliches auf ihren iPhones zu spielen. Immerhin offenbar miteinander/gegeneinander. Papa ist trotzdem glücklich, seine jüngere Tochter plaudert nämlich aufgeregt mit ihm und himmelt ihn an. Oma, Opa und Mutti sind so mittendrin und tauschen den neusten Familientratsch aus.

Als erstes entdecken wir links neben uns Frau Unternehmergattin. Soni identifiziert auf Anhieb Kleidung und Handtasche im fünfstelligen Bereich. Bezahlt wahrscheinlich von ihrem klischeehaften Hanseaten-Mann, welcher wahrscheinlich Unternehmer im Gewürz- oder Kaffeehandel ist. Es wäre jedenfalls eine Schande, mit seiner riesigen Nase nicht in diesem Bereich erfolgreich zu sein. Außerdem identifiziere ich auch hier eine gewisse Langeweile, allerdings weniger am Tisch als vielmehr im Leben insgesamt. Aber das sind natürlich alles nur Klischees.

Übrigens: Vorsicht vor Klischees. Rechts von uns sitzt ein älterer Herr, stattlich mit schlohweißem Haar. Ihm gegenüber in unserem Blickfeld eine bildhübsche Frau, deutlich jünger als Soni. „War ja klar, alter weißer Mann mit Geld und seine Gespielin“ denken wir und verdrehen innerlich die Augen. Als wir später gehen, sehen wir neben ihm – vorhin nicht in unserem Blickfeld – eine ebenso bildhübsche Frau, ebenso alt wie der weißhaarige Mann. Und es ist unverkennbar eine Vater-Mutter-Tochter-Konstellation dort am Tisch.

Welche Klischees auch immer wir hervorrufen bei den anderen Gästen, irgendwann kurz vor der Sperrstunde gehen wir fröhlich knutschend zu Walter, sind satt, zufrieden und leicht angetüddert. Karlchen dagegen findet das alles doof. Es ist ihm zu laut, zu hell und überhaupt: „Wo wart ihr denn so lange ohne mich“.

Schon immer wollten wir über Nacht mal am Fischmarkt stehen. Gesagt, getan. Die knapp 200m zurück findet Walter alleine, mit unserer Hilfe sogar einen freien Platz. Mit Blick auf den geschäftigen Hafen schlafen wir zufrieden ein.

Guten Morgen Frau Tiedemann, wie hast Du geschlafen“ säusele ich meiner Frau am nächsten Morgen ins Ohr, als sie zwei Stunden nach mir wach wird.

Hör bloß auf, Polizeisirene, Party, Kopfsteinpflaster und Regen auf dem Dach. Wer soll denn da schlafen?

Ich kriege mich fast nicht mehr ein vor Lachen – genau so geht es mir auch. Wenn ich überhaupt geschlafen habe, dann nur kurz und mit laufender Unterbrechung. Ständig hatte ich das Gefühl, jemand steht direkt am Walter, der LKW hinter uns löst ein Erdbeben aus und die Möwen kreischen mir ins Ohr. Fehlt nur noch, dass ein Parkplatzwächter mit der Taschenlampe zu uns reinleuchtet. Ach ja, hat er ja auch. Kurz nach 6, als ich schon aufgestanden war.

Wann ist es eigentlich passiert, dass wir solche Pullerlieschen geworden sind? „Früher“ waren wir selbst diejenigen, die nicht laut genug sein konnten und bis zum Sonnenaufgang durchgefeiert haben. Und jetzt? Können wir in Hamburg nicht mehr ruhig schlafen. Ich glaub es ja nicht!

Wie auch immer – wir lieben Hamburg trotzdem. Der erste Kaffee im Regen an der Kaimauer ist durch nichts zu ersetzen. Höchstens vielleicht durch ein Frühstück am Strand. Und das holen wir uns jetzt. Auf geht’s an die Küste.

Walter schafft es bis zur nächsten Tankstelle, dort gibt’s neben Diesel noch einen Kaffee und nach einer guten Stunde sind wir auch schon da. Wie gestern auch mehr als pünktlich. Was ist hier los? Sollte uns das Eheleben etwa …. nein! Denk nicht einmal daran! Wild & geil soll es sein, eigentlich.

Wir haben einen Termin, aber der verläuft eher enttäuschend. Macht nichts, wir ziehen weiter und erkunden die Küste. Nach einem klassischen Mittagessen fängt es an zu regnen. Nicht so richtig, sondern so feine, fisselige Bindfäden, die überall reinkriechen. Und wenn sie es nicht schaffen, reinzukriechen, drückt der Wind das Wasser durch alle Poren. Es ist widerlich! Und es hört nicht auf. Es wird immer mehr Wasser und immer mehr Wind.

Walter stemmt sich tapfer gegen den Wind, auch wenn er inzwischen eher Schlangenlinien fährt. Aber als Kapitän eines so stolzen Schiffes kann ich das natürlich nicht zugeben. „Wind ist erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben“ zitiere ich mich selbst und fahre tapfer weiter.

Wohin eigentlich? Keine Ahnung. Die letzte Station unserer Rundreise haben wir absolviert und wollten uns jetzt eigentlich einen Stellplatz für die Nacht suchen. Am liebsten direkt am Wasser.

Bei dem Sturm? Selbst ich muss inzwischen zugeben, dass das keine verlockende Idee ist. Die ersten Schafe dürften inzwischen tatsächlich keine Locken mehr haben, wenn sie nicht vorher ertrunken sind. Es schüttet und stürmt wie Odins Rache.

und warum fahren wir nicht einfach nach Hause?“ fragt mich meine frisch angetraute von der Seite. Habe ich wirklich….? Ja! Und sie hat irgendwie Recht. Ob wir jetzt im Sturm und Regen an der Küste stehen und schlecht schlafen oder zu Hause voll die Spießer sind – dafür aber gut schlafen – ist eigentlich keine schwere Entscheidung.

Karl brauchen wir gar nicht erst zu fragen, der findet sowieso gerade alles doof. Teeny eben. Also los. Nach zwei Stunden rollen wir sicher und trocken auf den Hof. Die alten Mauern empfangen uns mit Wärme und Sicherheit. Noch einen Schlummertrunk und am nächsten Morgen werden wir das Gefühl haben, noch nie so gut geschlafen zu haben. Es wird Streuselkuchen zum Frühstück geben und einen Plan für die nächste Tour. Richtung Süden, in die Sonne. Gute Nacht! Und schlaft gut!

Club der toten Männer

Was machen (verheiratete) Männer eigentlich am Sonntag?
Sie erfüllen ihre Pflicht und gehen zum Bäcker!

Seltene Einblicke in einen geheimen Club, über den sonst niemand spricht!

Das Sonntagsfeeling zum Lesen.

Für Dich selbst, Deine Frau oder zum Verschenken.

„Club der toten Männer“
Kurzgeschichten aus dem Alltag eines verheirateten Mannes

Gibt es hier als E-Book oder Taschenbuch

Schrankwand trifft Van – eine Plauderei unter Campern

Moin Herr Nachbar!

Wenn man auf dem Platz nebeneinander steht, kann man sich ja auch mal unterhalten.

Vor allem, wenn ein Van und ein Wohnmobil nebeneinanderstehen. Bei dem ein oder anderen Glas Wein wird es im Walter richtig gemütlich.

Viel Spaß bei philosophischen Betrachtungen über Schrankwand vs. Van, Gasgrill vs. Holzkohle, Handstaubsauger vs. Handfeger und den heißesten Tipps für den nächsten Traumplatz.  

Heute mit Nick, Marco, Soni, Björni & Karl. Viel Spaß beim zuhören!

Oder direkt bei Spotify hören: Hier klicken

(Empfehlung: der youtube-Kanal von Nick und Marco: VANtertainment – YouTube)

„Ach watt is dat schön ann’e Mosel!“

Gefahr ist im Verzug. Wenn die Weinvorräte im Hause der Platzbesetzer auf weniger als eine Wochenration zurückfallen, bricht plötzlich hektische Betriebsamkeit aus.

Der bevorzugte Weinhändler wird kontaktiert, die aktuellen Lieblingsreben werden mit den aktuellen Angeboten abgeglichen, der Kontostand wird geprüft, Bestellungen werden ausgelöst. Es herrscht ein wenig Aufregung, als würde eines der Kinder auf Klassenfahrt gehen.

Nicht so diesmal. Es herrscht buddhistische Gelassenheit. Selbst Karl ist seit ein paar Tagen total entspannt und hibbelt nur, wenn er wirklich dringend raus muss. Aber Karl hat ja auch keine Ahnung von Wein.

Was ist da los? Leben die Platzbesetzer etwa plötzlich enthaltsam?

HahahahahHahahahaha – ja, sie enthalten sich inzwischen vieler Dingen, die früher einmal wichtig erschienen. Aber ein kalter Wein-Entzug? Kannst Du ja mal versuchen – wir nicht 😉

Nein, der Grund ist so banal wie überraschend: es gibt einen Plan.

Und der sieht vor, dass sich das kleine Camping-Rudel von Walter an die Mosel fahren lässt. Und wo, wenn nicht dort, kann man sich quer durch den Rebengarten probieren und wie nebenbei Vorratshaltung betreiben? Außerdem wollte Björni der geliebten Weinkellerbesetzerin mal zeigen, woher die ganzen liebreizenden Gedichte, Klischees und Kulissen deutscher Romantikfilme so stammen.

Also an die Mosel.

Vor die Fahrt an die liebreizende Mosel …. hat natürlich wieder jemand etwas gesetzt. Wer immer es sonst noch war – Björni war auch dabei. Er wollte nämlich vorher noch „eben schnell“ die Terrasse pflastern, die schon seit 8 Monaten brach liegt. Aber jetzt sollte es sein, sonst schmeckt der Wein auch an der Mosel nicht.

Gesagt getan. Und nach wem rufen Middle-Ager, wenn sie ihre eigenen Fähigkeiten und Ressourcen mal wieder völlig überschätzt haben? Genau – nach Opa. Das ist nicht nur für die Kinderbetreuung hilfreich, sondern auch für das Herankarren terrassentypischer Materialien wie Kies und Platten.

Opa schafft also das Material ran, Björni ruiniert das danebenliegende Beet, seine Kniee und die Geduld aller Nachbarn. Aber am Ende ist die Terrasse fertig und Björni glücklich. Federleicht streicht die geliebte Hausbesetzerin den Punkt von der todo-Liste und sagt „dann können wir ja auch schon los“.

In ihrer grenzenlosen Güte vergisst sie diesmal zu erwähnen, dass wir schon seit 21 Stunden dort sein wollten. Um so viel hat sich der geniale Plan der Platzbesetzer nämlich gerade verschoben. Nach hinten, versteht sich. Aber komm, die Terrasse sieht wirklich gut aus!

Walter schnurrt, Karl schnarcht, Soni fährt und Björni bedient das Navi. Nebenbei hören wir alle Podcast, inzwischen eine unserer Lieblingsbeschäftigungen während der Fahrt.

Unsere Empfehlung: „tierisch menschlich“ von und mit Martin Rütter. Und es geht darin am allerwenigsten um Hunde, ehrlich! Großartige, kluge Unterhaltung! Aber natürlich erst, wenn Ihr unsere letzte Podcastfolge gehört habt 😉

Kein Stau, keine Umleitung, kein Malheur – nach zweieinhalb Folgen Podcast hören und etwas mehr als drei Stunden Fahrt sind wir auch schon da. Es ist zwar inzwischen dunkel, aber ich bin mir sicher, aus der Ferne höre ich die Loreley ganz lieblich singen.

„Ach dat wird aber schön ann’e Mosel!“ kann ich meine Vorfreude kaum im Zaum halten, als wir nach dem zweiten Versuch einen Stellplatz für die Nacht finden. (für den ersten, favorisierten Stellplatz sind wir exakt 13 Minuten zu spät angekommen, aber damit will ich Euch nicht langweilen).

Ich liebe es, von Meeresrauschen, Möwengeschrei und salziger Luft geweckt zu werden.

Und der nächste Morgen bietet mir genau das! Aber es wird noch besser: zum Frühstück soll es Fischbrötchen vom nahgelegenen Wochenmarkt geben. Perfekt – frischer geht es nämlich gar nicht.

Von der Gegend hier haben wir ja schon viel gehört – vor allem Chrischan, unser Gast im letzten Podcast der Platzbesetzer, ist ein großer Fan und hat mir während der Hinfahrt noch ganz viele Insidertipps geschickt.

Wir machen uns also auf den Weg, müssen zweimal über den Deich, dann vorbei an ganz niedlichen, kleinen Reetgedeckten Häusern, Salzgras in den Vorgärten und schon sind wir da.

Deich? Reetgedeckte Häuser? Möwen und salzige Luft?

Hatten die Platzbesetzer ihre erste Weinprobe schon vorm Aufstehen oder ist es der kalte Entzug? Das ist nicht Cochem an der Mosel!

Stimmt, das ist Sankt Peter Ording. Und hier singt nicht die Loreley, hier knurrt die Nordsee.  

Kurz bevor wir zu Hause in den Walter gestiegen sind, haben wir uns noch einmal tief in die Augen geschaut …. (jaja, einen Kuss gab es auch, aber Romantik war erst für die Mosel vorgesehen)… und dabei haben wir beschlossen, dass 7 Stunden Fahrt hin und 7 Stunden zurück für 3 Tage Aufenthalt einfach zu viel sind.

Ein kurzer Blick auf die Karte:

„Was lieben wir?“ Das Meer!

„Wo waren wir noch nicht?“ Nordsee!

„Was kennen wir wenigstens aus Erzählungen?“ Sankt Peter!

Und der Weinvorrat? Der kalte Entzug?

Verschoben. NATÜRLICH hat Walter einen Zwischenboden und natürlich liegt da noch Wein. Das reicht nicht ewig, aber für eine halbe Woche an der Nordsee ganz bestimmt. Und wenn wir wieder zurück sind, können wir ja immer noch hektisch werden.

Auf Hektik haben wir im Moment nämlich gar keine Lust mehr. Da passt es gut, dass uns Sankt Peter mit ordentlich Wind, dunklen Wolken und ziemlich kühl empfängt. Nach dem Frühstück auf dem Wochenmarkt heizen wir Walter auf 25° und ziehen uns zurück. Mehr als ein gutes Buch, ein Mittagsschläfchen und das Rauschen der Nordsee im Hintergrund brauchen wir heute nicht. Naja, später den versteckten Rotwein vielleicht noch.

Am nächsten Morgen hören wir die Loreley wieder singen … ähm die Nordsee rauschen. Um 5:30 bin ich fertig mit schlafen, die geliebte Platzbesetzerin und Karl natürlich noch nicht. Ich schleiche durch das Wohnmobil und will die beiden nicht wecken. Aber bei weniger als 15 m² ist man mit Schleichen auch schnell fertig.

Kaffee kochen geht recht geräuscharm, deshalb mache ich das erstmal. Auch hier sind wir übrigens volles Rohr Klischee: im Walter haben wir Nescafe Gold und was soll ich sagen – ich liebe ihn. Sonst bin ich ja recht wählerisch bei Kaffee, aber hier kann ich es ja verraten: wenn wir 2-3 Wochen mal nicht unterwegs sein können, setze ich mich morgens heimlich in den Walter und koche mir dort einen Nescafe. Soni denkt bis heute, ich wäre in dieser Zeit mit Karl unterwegs. Aber er hat versprochen, mich nicht zu verraten.

So ist es auch heute – Karl ist zwar inzwischen wach, aber schläfrig und still. Irgendwann schnappe ich ihn mir trotzdem und wir drehen die erste Platzrunde. Schön ist er angelegt, der „Reisemobilhafen-SPO“. Aber irgendwie ist es laut hier – und das ist weder die Nordsee noch irgendein anderer, lieblicher Gesang.

Ich werde angeschrien.

Alle 5 Meter steht hier irgendein Verbots- oder Hinweisschild und schreit mich an.

Wie man jemanden mit Schildern anschreien kann?

INDEM MAN ALLES GROSS SCHREIBT und hinter jeden Satz mindestens ein Ausrufezeichen setzt!!!!!!!

Auf dem Klo soll ich die Tür festhalten, wenn es windig ist. Geschirr spülen, Gemüse waschen und jeder andere Missbrauch des Waschbeckens ist strengstens verboten. Wenn ich meinen Impfausweis nicht binnen 72 Stunden per E-Mail versende, werde ich des Platzes verwiesen. Und durch die Schranke fährst Du gefälligst nur einzeln, die schließt nämlich automatisch und schnell!!!!!

UND WENN DU IN DIE STADT GEHST, BRINGST DU GEFÄLLIGST BRÖTCHEN FÜR DIE FRAU MIT, HAST DUUUUUU DAAAAS VERSTANDEN? …… !!!!

Wer mich kennt weiß, welche Wirkung Verbote und Anweisungen dieser Art auf mich haben…. wer mich nicht kennt, stellt mir so ein Teil einfach mal vor die Nase.

Ich erwische mich dabei, wie ich morgens um halb sieben elegant unter der Schranke hindurch schlüpfe. Unterm Arm habe ich das schmutzige Geschirr aller Wohnmobile auf dem Platz und starte in DEM Waschbecken eine ausführliche Schaumparty. Als ich endlich fertig bin, lasse ich die Tür fröhlich im Wind klappern und klettere noch schnell auf die „Wallanlagen“ rund um den „Reisemobilhafen“ – das ist nämlich ebenso verboten, wie den Müll nicht zu trennen.

Befriedigt und ohne Brötchen kehre ich zu Walter und der gesetzestreuen Platzbesetzerin zurück.

Wir packen unsere sieben Sachen und verschwinden hier, bevor mir der Platzwart noch den absurden Befehl gibt, vor der eigenen Tür zu kehren.

Die Sonne scheint so doll sie kann und wir folgen ihr zum Strand. Genauer gesagt: auf den Strand. Hier kann man nämlich nicht nur an den Strand fahren, sondern auf den Strand. Sogar mit Walter.

Für einen kurzen Augenblick hat Soni wieder diesen Schweden-Moment, als wir mitten im Wald zurück gerutscht statt wieder hochgefahren sind. Aber sie ist ganz tapfer. Als Walter im weichen Mullersand ein wenig rutscht und schlidddert, freue ich mich wie der kleine Junge am Rodel-Berg. Soni zuckt eher zusammen wie Muddi, die unten auf den Jungen wartet. Aber nur ganz kurz und sie lässt es sich fast nicht anmerken.

Es ist sensationell: über den Schlick fahren wir bis zur Hochwasserkante und parken quer zum Wasser. Das ist allerdings gerade auf dem Rückzug und etwa 800 Meter weit weg. Egal, es ist ein Traumstellplatz an einem Traumstrand bei Traumwetter! Ach ja – der Platzwart war auch schon hier. „Übernachten verboten“ steht auf über-lebensgroßen Schildern. Was soll’s, wollten wir eh nicht. Wer will schon am Strand …. auf dem Strand, direkt am Wasser? Ach neee – wir jedenfalls nicht.

Stattdessen toben wir mit Karl am Strand entlang, halten Mittagsschläfchen in der Sonne, trinken einen Aperol und lernen zwei Freundinnen aus dem Saarland kennen. Ich sag ja, „am Meer ist alles besser“.

Ich weiß nicht, war es zu viel Sonne, zu wenig Wein oder der frische Wind, der hier allenthalben weht. Auf jeden Fall sind wir voll die Spießer, fehlt nur noch der Kunstrasern vor dem Wohnmobil und der Tritt als Einstiegshilfe. Wir sind bald so weit. Denn tatsächlich rufen wir RECHTZEITIG beim Campingplatz an und RESERVIEREN uns einen Platz für die Nacht.

Wer sind Sie uns was haben Sie mit den Platzbesetzern gemacht???

Egal, ich will es gar nicht wissen. Falls wir irgendwann anfangen, unseren Urlaub 6 Monate im Voraus zu planen und zu buchen, kann vielleicht ja mal jemand zum Fieber messen kommen. Bis dahin geht es uns einfach blendend.

Apropos blenden: auch am nächsten Tag scheint die Sonne, als würde es nie wieder Sommer geben und Soni holt sich einen kleinen Brandy. Deshalb sitzt sie jetzt gerade, während ich das hier schreibe, mit einer kühlenden Aloe-ich-weiß-nicht-was-Maske mir gegenüber und ich darf nur innerlich grinsen. Vor allem aber darf ich niemandem davon erzählen. Mach ich ja auch nicht, versprochen. Aber sieht süß aus, irgendwie….

Heute gab es eine große Premiere. Wir sind wieder unterwegs, den endlosen Strand entlang und egal welchen anderen Hund Karl anspringt, anflirtet, bettelt oder anstupst – keiner will mit ihm spielen. Oder darf nicht, weil Herrchen/Frauchen irgendwie verspannt sind. Also muss der Alte über den Strand toben, laufen, sich anspringen lassen und wird in die Leine eingewickelt. Hahahaha – lustig! „Ein bisschen Bewegung tut (Dir) ja auch ganz gut, nicht wahr SCHATZ?!“

… hmm, wem wollte ich das mit der Maske alles nicht erzählen….?

Ich schweife ab. Jedenfalls treffen wir irgendwann auf Willi. Ein ebenso halbstarker, tobesüchtiger, kleiner Hund wie Karl, ebenso hübsch und mit ebenso ausgesprochen netten Herrchen und Frauchen, wie wir es sind …. ähm … räusper … also, was ich sagen wollte. Karl und Willi verstehen sich bombe, wir uns mit den beiden Angestellten von Willi auch.

Und dann wagen wir es (vor allem Soni): wir lassen Karl frei laufen. Ohne Zaun, ohne Leine. Einfach frei am Strand. Und es funktioniert. Er läuft sich die Birne frei, kommt zu uns zurück und alle haben einen riesigen Spaß. Sollte Karl am Ende doch noch ein normaler Hund werden? Wir werden sehen.

Im Kühlschrank haben wir heute Abend doch glatt noch drei Flaschen feinsten Riesling von „Moselmano“ gefunden. Es stimmt also wirklich: „watt is dat schön ann’e Mosel“ – zumindest soweit wir das einschätzen können. Prost denn auch!

PS: Cliffhanger. Am Dienstag geht es schon weiter, dann sind Walter und Björni nämlich das erste Mal allein unterwegs. Dienstlich. Ach herrje!   

„wenn auf Capri die rote Sonne …“

Hätte ich es mal gelassen. Da handelt man(n) nur in allerbester Absicht und will Walter, der geliebten Platzbesetzerin und sich selbst eine kleine Freude machen – und dann das. Frechheit!

Als erstes kam eine WhatsApp: „sieht aus, als würdest Du Walter die Fresse polieren“. Hier bleibt aber auch nichts unentdeckt im Dorf.

Später dann – ich höre den süffisanten Unterton ganz genau – spitzt die (in dem Moment etwas weniger) geliebte Platzbesetzerin die Lippen: „Den Smart willst Du auch schon seit 3 Monaten waschen

Ok, ok, ich gebe es zu. ICH wollte das. Aber es musste sein. Walter war einfach dreckig. Da hing doch noch die Elchkacke am Kotflügel und überhaupt. Ich kann doch die neuen Aufkleber nicht auf eine schmuddelige Seitenwand kleben.

Also habe ich den Freitag Abend damit verbracht, Walter gründlich zu waschen und zu polieren. Von innen, von außen, von hinten und vorne. Das blieb scheinbar nicht unentdeckt. Jedenfalls ist er nun sauber. Sauber genug, um die neuen Aufkleber mit dem Logo dieser kleinen, illustren Website anzubringen, die auf den Namen www.die-platzbesetzer.de hört. Mühsam gehe ich mit Waschbenzin, Wasserwage und Fixierband zu Werke. Nach 2 Stunden ist es geschafft – gelb leuchtet das Logo nun auf allen Seiten. Und ich bin stolz wie Bolle.

„na zum Glück ist es schief geworden, sonst wäre es ja nicht von Dir“

Wieviel Jahre gibt es eigentlich auf „Frau versehentlich an der Raststätte vergessen“?

Aber so weit sind wir noch nicht – Glück für SIE. Vor die Abfahrt am nächsten Morgen hat der liebe Gott und meine Beifahrerin nämlich das Packen und einen Friseurtermin gesetzt.

Das Packen läuft wie die geschmierten Brote, die wir dabei haben. Hierin sind wir inzwischen echte Profis.

Pünktlich um 9:45 Uhr werfen wir den Anker auf Lüneburgs größtem Parkplatz. Ein verwirrendes Geflecht aus PKW-, Wohnmobil-, Motorrad- und Busparkflächen ist zwar umfangreich ausgeschildert, überfordert mich um diese Uhrzeit aber intellektuell. Ich beschließe, dass mir 23 EUR Gebühr für einen Wohnmobilstellplatz zu viel sind, immerhin wollen wir ja nicht die ganze Nacht, sondern nur knapp drei Stunden bleiben. Außerdem ist der Parkplatz für Busse gähnend leer und wir stehen direkt davor.  Mit seinen 7,20 m fühlt sich Walter bei den Bussen bestimmt auch ganz wohl. Also Motor aus, Karl den Kopf getätschelt und raus in die Stadt.

Wenn Walter schon so sauber glänzt, möchte die Dame des Hauses das auch. Und freut sich sehr auf den Friseurtermin. Ich nutze die Zeit ganz mediterran und trinke einen Kaffee in der Sonne mit meinem Großen. Schöner kann ein Samstag gar nicht beginnen. Eigentlich müsste ich mich auch mal wieder scheren lassen, hab aber keine Lust. Dafür fasziniert mich das Spiel der Trommler auf dem Marktplatz und das bunte Samstagstreiben viel zu sehr. Ich wippe neben dem Takt mit dem Kopf, blinzle in die Sonne und denke an – nichts. Es ist ein herrlicher Zustand, und ich habe nicht mal einen sitzen.

Ein paar Scherenschnitte und bewundernde Worte später sitzen wir wieder im Walter. Karl freut sich, dass wir wider Erwarten doch zurückgekommen sind, da entdecke ich einen kleinen, eingerollten Zettel am Scheibenwischer. Zack – 30 EUR für „Parken in einem Verkehrsbereich, der durch Zeichen 250 gesperrt war“. Ich wusste bisher nicht einmal, dass es 250 Verkehrszeichen gibt. Geschweige denn, dass ich eines davon hier gesehen habe. Egal, die Sonne scheint, unsere Laune ist bestens und immerhin haben wir die 23 EUR für den WoMo Stellplatz gespart…

Los geht die wilde Fahrt und falls ich es noch nicht erwähnt habe – mit neuen Stoßdämpfern fährt es sich wie auf Wolken! Herrlich!

Eigentlich, ja eigentlich wollten wir ja nie zweimal an genau den selben Ort fahren. Dafür ist die Welt viel zu groß, es gibt viel zu viel neues zu entdecken und außerdem sind wir ganz doll prinzipientreu.

Genau, und deshalb fahren wir wieder nach Scharbeutz. Zum Wohnmobilhafen. Wir geben uns nicht mal Mühe hier so zu tun, als könnten wir das irgendwie rechtfertigen. Wir fanden es einfach schön dort und waren mit Scharbeutz-Entdecken auch noch nicht fertig.

Also, Blinker gesetzt, abbiegen – und STOP.

Kein Liegeplatz mehr frei. ALLE PLÄTZE BELEGT steht in großen Lettern auf dem Schild vor der geschlossenen Schranke.

Wir glauben ja nicht alles, was geschrieben steht. Aus Prinzip nicht und wo kommen wir denn da hin?

Auf den REWE Parkplatz!

Denn es stimmte tatsächlich. Auch mit freundlich Nachfragen, perfektem Augenaufschlag und allen Überredungskünsten, die von Soni bei mir sofort funktionieren würden – es war tatsächlich kein Platz mehr frei.

Genau wie auf dem nächsten, übernächsten und überübernächsten WoMo-Stellplatz in Scharbeutz und Haffkrug.

Die nächste Möglichkeit, überhaupt einmal anzuhalten, war also der REWE-Parkplatz. Einziger Vorteil: es waren nur 200m bis zum Strand.

Die haben wir schimpfend und zeternd überwunden. Irgendwo im Sand muss noch heute eine Furche sein vom wütend aufstampfen.

Aber wie das immer so ist: „am Meer ist alles besser“

So auch unsere Stimmung. Hilft ja nix, dann stehen wir eben bei REWE.

Außerdem sind die Weinregale bei REWE gut sortiert und so finden wir uns mit einer Flasche bestem Weißwein am Strand wieder.  Karl tobt glücklich den Möwen hinterher, wir philosophieren über die Freiheiten des Camperlebens und haben kurz nach fünf gehörig einen sitzen.

Höchste Zeit, etwas Anständiges zu essen. Der kleine Italiener gleich gegenüber soll es sein.

„haben Sie reserviert?“

„…“

Kleine Italiener können großen Frauen nicht widerstehen. Glaube ich zumindest, denn irgendwie schafft es die gewiefte Platzbesetzerin, uns einen kleinen Tisch in der Ecke direkt neben der Dessert-Vitrine zu ergattern. Und jetzt weiß ich nicht, wohin ich zuerst schauen soll. Zur großen, schönen Frau mir gegenüber oder zu Eiscreme, Tiramisu und Mandelkuchen links von mir.

Aber da ich weder einen noch dickeren Bauch, noch einen schiefen Hals bekommen möchte, entscheide ich mich schnell für die Platzbesetzerin mir gegenüber. Auch langfristig ist das sicher die bessere Entscheidung.

Kurzfristig entscheiden wir uns für Pizza, Pasta und Rotwein. Auch das ist eine sehr gute Entscheidung.

Vor allem deshalb, weil wir nun satt, zufrieden und immer noch angetüddert sind. Das ist ein hervorragender Zustand, um den nächsten eingerollten Zettel am Scheibenwischer zu entdecken. Noch während ich darüber nachdenke, ob wir Schild Nr. 260 vielleicht übersehen haben, fängt die Meinungsbesetzerin an, mit ihrer besten Freundin zu telefonieren. Laut und gackernd. Als Mann gibt es in diesem Fall zwei Möglichkeiten: 1) verpiss Dich irgendwohin und genieße die Ruhe oder 2) ertrage es mit Langmut.

Ich entscheide mich für Variante 2a und mische mich gelegentlich in das Gegackere ein. Eigentlich will ich die Freundin nur überreden, die betrunkene Parkplatzbesetzerin hier und jetzt abzuholen. Ist doch viel schöner als am Telefon… außerdem würde sich für mich dadurch automatisch Variante 1) ergeben. Aber irgendwas stimmt heute nicht, beide teilen meine Begeisterung für den Entführungsplan irgendwie nicht.

Also stehe ich da mit Walter, Karl und einer Verwarnung wegen Missachtung des Zeichens 314. Kostet übrigens einen Zehner. Wenn das so weiter geht und wir bei Zeichen 407 angekommen sind, lohnt es sich vielleicht, zur Nachprüfung zu gehen.

Bis es soweit ist, brauchen wir einen Platz für den Rest der Nacht. Der REWE Parkplatz ist es irgendwie nicht, wer weiß ob uns der hauseigene Sicherheitsdienst hier nicht in ein paar Stunden vom Platz fegt.

Ich starte Walter, Karl springt auf den Beifahrersitz und von der Rückbank wird munter weiter gegackert. Es fühlt sich an wie nach einer Teeny-Party auf dem Weg nach Hause. Papa fährt.

Und der fährt zum Strand. Da haben wir vor zwei Wochen schon mal einen Zettel bekommen, als wir falsch herum auf dem Seitenstreifen standen. Wenn wir uns jetzt richtig herum hinstellen, ist doch alles gut, oder?!

Ich weiß nicht, wer meiner Logik sonst noch folgen kann, jedenfalls habe ich freie Auswahl, alle Plätze auf dem Seitenstreifen sind leer. 10m bis zum Strand, Blick auf die Dünen und dahinter die Ostsee. Perfekt.

Ich entscheide mich für einen Platz neben der Freikirche und der Jugendherberge. Göttlicher Segen und jugendlicher Leichtsinn in friedlicher Koexistenz. Außerdem klemme ich das alte Knöllchen wieder hinter den Scheibenwischer. Falls hier nochmal jemand von Amts wegen vorbeikommt – alles schon erledigt, Kollege!

Inzwischen ist es dunkel und bannig kalt geworden. Beste Voraussetzungen für eine Premiere! Die geliebte Platzbesetzerin ist inzwischen fertig mit telefonieren und aus meinem Plan, sie abholen zu lassen, ist bekanntlich auch nichts geworden. Dann kann ich ja auch freundlich sein und für sie die Heizung starten. Premiere! Ich schalte, ich drehe …. und schon erklingt ein ruhiges, gleichmäßiges Rauschen. Ich mache den berühmten Handrückentest – den Handrücken dicht vor die Lüftungsklappe halten. Und tatsächlich: nach kürzester Zeit verbrenne ich mir fast die Pfoten und im Walter wird es muckelig warm. So warm, dass wir später nicht schlafen können. Aber das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Soni grinst zufrieden, Karl sucht sich den kältesten Platz im Haus und nach einem letzten Strandspaziergang mit spektakulären Lichtern am Horizont ist dieser Tag auch zu Ende.

Ein guter Sonntagsbraten braucht ja so 2-4 Stunden im Ofen. Dann ist er gut durch und trotzdem noch saftig. Nach knapp 7 Stunden im Ofe… ähm Walter waren auch wir gar. Aber alles andere als saftig. Alter Schwede, war das warm hier in der Bude. Alle Luken und Türen auf, tief Luft holen, dann ging es wieder.

Ausnahmsweise verzichte ich auf den ersten Kaffee und gehe mit Karl direkt zum Strand. Denn da bahnte sich etwas an: offensichtlich hat das Lübecker Bucht Marketing den für seine kitschigen Effekte berühmten Marketingleiter des Schweden-Tourismus, Sven Sören Rötebröd, engagiert.

Manch einer unserer lieben Leser erinnert sich: als wir in Schweden waren, sind wir auf all diese Elch-Fisch-Sonnenaufgangs-Marketing-Effekte reingefallen. Und jetzt schon wieder: der Himmel ist feuerrot gefärbt, abstrakte Wolkenformationen sorgen für die notwendige Dramatik und gerade als die glutrot triefende Sonne am Horizont aufsteigt, fährt ein rot-weißes-Fischerboot vorbei.

Und was soll ich sagen: es funktioniert.

Ganz vorne am Strand, fein säuberlich aufgereiht, stehen sie alle und sind auch drauf reingefallen: Touristen mit Handy in der Hand. Verliebte schauen sich eng umschlungen tief in die Augen und von Ferne weht diese eine Liedzeile herüber…. „wenn auf Capri die rote Sonne …“

Was willst Du als Mann da anderes machen, als deine Liebste herbeizuholen, sie fest in den Arm zu nehmen und ewige Liebe zu schwören!? Jawohl, wir können auch kitschig.

Plötzlich fängt eben jene Liebste an, hämisch zu lachen. Ich denke noch einmal kurz an die Autobahnraststätte, aber da sehe ich es auch:

 Eine junge, blonde Frau in weißem Sissi-Hochzeitskleid kommt auf einem viel zu schönen Pferd den Strand entlang geritten. Natürlich ist sie barfuß und auch einen Sattel für das Pferd fand sie entbehrlich. Mein Lieber Herr Rötebröd, jetzt hast Du es aber echt übertrieben! So viel Kitsch gibt es nicht mal bei Rosamunde Pilcher.

Aber in Scharbeutz.

Das schwarze Pferd, die schöne Frau und das wallende Kleid stellen sich als Set für ein Fotoshooting heraus. Statt romantisch ihrem Liebsten entgegen zu reiten, kämpft sie mit dem Pferd, welches nicht ins Wasser will. Dem Fotografen ruft sie zu, dass es kein Problem wäre, das Wasser ist gar nicht kalt. Ich habe es später getestet – sie hat gelogen.

Und statt romantisch dem ewigen Glück entgegenzureiten, muss die Einstellung 15mal wiederholt werden, bis der genervte Hengst sie fast abwirft.

Ob der Fotograf eigentlich die Fregatte der Bundeswehr gesehen hat, die im Hintergrund Manöver fährt?

Nach und nach füllt sich der Strand. Immer mehr Pferde, Hunde und Menschen kommen herbei. Inzwischen strahlt die Sonne hell am Himmel, die magic moments sind vorbei. Stattdessen mischen sich genervte Stimmen unter das Rauschen der Wellen. Hilde kann ihren Hund nicht von der Leine lassen, weil die ollen Pferde da sind. Jaqueline würde auf ihrem Pony gerne mal so richtig ausreiten, aber da sind zu viele Hunde im Weg. Und Johannes hat Angst, in Hunde- oder Pferdescheiße zu treten, die ganzen Viecher haben hier am Strand doch nichts verloren.

Bevor wir auch noch mahnende Worte an die Toleranz aller Beteiligten verlieren, gehen wir lieber frühstücken. Moment, da fällt mir ein. Wir stehen ja immer noch illegal auf dem Seitenstreifen. Ein kurzer Blick zum Scheibenwischer – check! Einsam und verlassen klemmt das alte Knöllchen. Diese Nacht ging auf’s Haus. Danke liebes Ordnungsamt!

Wir parken um, 2 EUR für eine Tageskarte finden wir angemessen und schlendern zurück zum Strand. Soni will Frühstück holen, Karl will mit den anderen Hunden spielen, Björni will nix. Außer seine Ruhe. Und die bekommt er. Geschlagene 40min stehe ich am Strand und warte. Zur selben Zeit, an anderem Ort – nämlich vor dem Bäcker – steht Soni in der Schlange und wartet. Aber es lohnt sich.

Klare Bäckereiempfehlung in Scharbeutz: Bäckerei Junge. Wirklich mit Abstand die besten belegten Brote, Brötchen und Kuchen, die wir je hatten.

Was will man(n) eigentlich mehr? Ein perfekt inszenierter Sonnenaufgang – Romantikkonto aufgefüllt. Belegte Brote mit Lachs, Schinken und Käse – satt für mindestens 3 Stunden. Ein kräftiger Kaffee und eine gut gelaunte Strandbesetzerin an der Hand….

…ach so, ja! Einen ruhigen Stellplatz für die nächste Nacht.

Vorsicht – manchmal gehen Wünsche ja auch in Erfüllung. Und so sind dort, wo am Abend vorher alles ausgebucht war, an diesem Morgen plötzlich 30 Plätze frei geworden.

Wir suchen uns den schönsten aus, bezahlen ausnahmsweise offiziell und vorher, werden dafür aber ausgesprochen herzlich begrüßt.

Es ist Sonntag, Mittagszeit und Kaiserwetter. Und was hätte der Kaiser gemacht? Genau! Lunch und einen Gespritzten.

Wir sind zwar nicht Kaiser, fühlen uns aber so. Deshalb gibt’s für jeden einen Aperol, ein Clubsandwich und ein wenig BeefTartar.

Am Tisch schräg gegenüber gibt’s stilles Wasser, einen Anschiss für die Kinder und Augenkrebs. Alter, wie kann eine ganze Familie rosa sein? Wirklich, alle! Und praktisch komplett. Ich wusste gar nicht, dass man sich bei Ralph Lauren vollständig in rosa einkleiden kann. O.k. bei ihr und der kleinen Tochter kann das ja mal passieren. Nicht schön, aber auch nicht selten.

Aber bei IHM? Jaja, „Männer können auch rosa tragen“. Nein, können sie nicht. Sieht einfach scheiße aus. Der Beweis saß drei Tische weiter, schlürfte stilles Wasser und motzt die Kinder an. Und sah scheiße aus.

Bevor wir uns hier in oberflächlichen Klischees verlieren…. nein, man! Ich will mich da jetzt reinsteigern. Die ganze Zeit musste ich dahin guck….

„Schatz, noch einen Aperol?“

„Ja, gerne“

Viele weitere Klischees konnten wir beobachten, zum Beispiel dass die meisten Hunde ihren Herrchen/Frauchen ähnlich sahen. Oder umgekehrt. Das soll ja so ein Naturgesetzt sein, dass sich Menschen und ihre Hunde ähnlich sehen. Stimmt auffallend, das haben wir beobachtet.

Aber warum eigentlich? Und wem von uns sieht Karl ähnlich? Ich finde, das sollten wir mal in einem der nächsten Podcasts erörtern.

Apropos später erledigen. Alles, was wir an diesem Tag noch erledigen wollten, haben wir auf später verschoben. Denn was gibt es Schöneres, als nach Aperol und Clubsandwich ein Nachmittagsschläfchen zu halten? Ich persönlich vertrete ja die These, dass das zu einem perfekten Sonntag dazugehört. Habe ich als Kind anders gesehen, aber jetzt…. unbedingt!

Als wir langsam wieder wach werden, steht die Sonne schon sehr tief. Jetzt aber schnell noch einmal an den Strand, immerhin haben wir gleich eine Verabredung.

Wir haben ihn heute Vormittag schon gesehen, Jumbo. Er steht ganz vorne und wir kennen ihn von Bildern. Jumbo ist natürlich ein Wohnmobil, immerhin sind wir hier im Wohnmobilhafen. Und Jumbo ist das neue zuhause von Michael und Claudia. Neues zuhause meint tatsächlich „zu Hause“, denn Michael und Claudia haben das getan, was auch mir gelegentlich im Kopf umhergeistert: sie haben Haus und Hof aufgegeben und wohnen seit 1 Woche komplett im Wohnmobil. Wir kennen uns von facebook – hier schreiben beide ihre Geschichten auf, genau wie wir.

Und wer hätte das gedacht: wer sein Leben so cool ändert, ist auch selbst ein cooler Typ. Es dauert keine 3 Minuten, da hat er mich schon bloßgestellt. Was weiß ich denn, was für eine Achse Walter hat, ob er das 260er oder 280er Modell ist. Walter ist Walter. Und mehr als 100 schafft er nicht. Der Rest steht irgendwo in den Papieren. Michael wundert und freut sich. Denn tatsächlich kennt er alle Details. Von Jumbo und jetzt auch von Walter.

Stolz berichten wir, von der Heizungspremiere. Wir plaudern über teure Wohnmobile, die sich nur Senioren oder Privatiers leisten können, die ideale Innenraumtemperatur und jammern darüber, dass alles immer teurer wird.

„Aber weißt Du was? Wir brauchen gar keine Kohle. Wir heizen mit Gas“

Michael, Ende Oktober kommen wir wieder. Und dann gebe ich dafür einen aus!

Jetzt müssen wir ins Bett, morgen geht es früh los und wenn es läuft wie immer, haben wir ja 5 Stunden Fahrt vor uns… Gute Nacht Ihr Lieben!

Einmal alles, bitte

Das kannst Du Dir nicht ausdenken!

Da sind wir endlich mal wieder unterwegs – ein Kurztrip an die geliebte Ostsee – und es passiert…

…. nichts.

Ja, wirklich. Wir kommen pünktlich los, Walter schnurrt, wir bekommen den letzten Stellplatz und haben zwei wundervolle, halbe Tage am Meer.

Es gibt eigentlich nichts zu berichten, außer dass es einfach schön war.

Und nu?

Sitzen wir trotzdem vorm Mikrophon. Und was soll ich sagen? Selbst das funktioniert.

Also quatschen wir uns einfach mal quer durch den Gemüsegarten. Es ist alles dabei: kleine, banale Alltagsgeschichten, Martin Rütter, Zelten in der DDR, Frühstück am Meer und philosophische Betrachtungen über Karl.

Dann fällt Soni ein, dass wir ja noch erzählen wollten, wie alles begann. Machen wir auch.

Und weil heute Feiertag ist, hast Du ja auch Zeit, uns zuzuhören. Oder?!

Oder hier direkt bei Spotify hören.

Apropos Feiertag: hätte es den 3.Oktober nicht gegeben, wäre ich jetzt nicht hier.

Sondern wegen „widerständischem Verhalten“ im Knast. Glaubt jedenfalls Soni.

„Bin ich jetzt in Färnseehn?“

Soni ist aufgeregt.

„Was ziehe ich denn nur an?“

„Und was sagt man da so?“

„Ach ich weiß nicht, ob das wirklich so eine gute Idee war“

Die beste Freundin wird konsultiert, es wird ein laaaaanges Telefonat.

„So ein Foto verzeiht ja auch nix, also pass auf“ ist der konstruktive Rat.

Ich stehe daneben und grinse. Das ist ein bisschen unfair, ich weiß. Aber sie ist so niedlich dabei.

Dabei muss ich zugeben, dass auch ich mich sehr gefreut habe, als der Redakteur der örtlichen Tageszeitung bei mir anrief. Diesmal wollte er nicht über Verspätungen, Zugausfälle oder angebliche Freifahrtwochen sprechen – nein, er wollte mich, wollte uns, privat interviewen. Weil wir die Platzbesetzer sind und darüber schreiben und sprechen.

Soviel Aufmerksamkeit für unseren kleinen Blog freut uns dann ja doch.

Als es an der Tür klopft, hat Soni sich schon wieder beruhigt. Karl nicht. Er tut, wofür er bezahl… ähm gefüttert wird: er bellt, passt auf und flüchtet vor dem fremden Mann unters Sofa. Alles wie immer, gut so.

Wir setzen uns dorthin, wo sonst die Podcasts entstehen. Den obligatorischen Rum möchte unser Gast nicht, er müsse noch fahren. Wir denken kurz darüber nach, aber es ist ja erst Nachmittag und so bleibt die Flasche nur Dekoration fürs Foto.

ABER: wir dürfen das Mikrophon aufstellen und unser Interview als Podcast aufnehmen. Alles wie immer also, gut so.

Gegen Lampenfieber bei einem Interview hilft ein wenig Vorbereitung. Also habe ich der geliebten Platzbesetzerin ein paar Fragen und Themen aufgeschrieben, die uns der Redakteur wahrscheinlich stellen wird. Sie sagt, sie hat nichts vorbereitet, konnte sich aber gedanklich sortieren. Vorher.

Beim Interview ist von der Sortierung natürlich nichts mehr übrig. Wir plappern drauf los, springen von Anekdote zu Anekdote und lachen uns tot. Jetzt ein Rum wäre geil – ach nee, der Nachmittag.

Nach einer Stunde ist noch längst nicht alles gesagt – aber sein Notizblock ist voll. So ein Mist. Und dann sagt er noch, er hätte ja auch längst alles, was er bräuchte. Man eh, wir sind doch gerade erst warmgelaufen.

Zum Abkühlen geht’s nach draußen zu Walter. Ein schnelles Foto und schon muss er los, unser rasender Reporter.

Wir bleiben zurück und mir fällt etwas auf. Da habe ich vor zwei Tagen doch so schön unser Platzbesetzer-Logo ausgedruckt und „zufällig“ an die Wand gehängt. Ganz so, als wäre es in einem kreativen Moment da hängen geblieben.

Das gibt einen tollen Hintergrund fürs Foto“ habe ich Schlaumeier mir so gedacht.

Ja, stimmt. Wenn man das Interview und Foto denn auch dort macht, wo das Logo hängt. Und nicht nebenan beim Rum.

Wie auch immer, wir sind freudig erregt und wollen schnell noch den Podcast sichern, bevor wir uns einen einschenken. Immerhin ist es jetzt schon fast Abend.

Ich lade die Aufnahme hoch und drücke routinemäßig „play“ um noch einmal reinzuhören.

….

Ah ja, Moment. Den Lautsprecher anschalten.

….

Hmm

….

„Soni, kannst Du den Podcast mal auf Deinem Rechner abspielen?

….

Ich brauche jetzt einen doppelten Rum. Da ist nix, außer Stille. Nichts, gar nichts wurde aufgenommen. Da ich niemandem sonst die Schuld rüberschieben kann, ärgere ich mich still vor mich hin. Hilft ja nix.

Naja, heute nun war der große Tag, der Artikel ist erschienen. Wirklich schön und angenehm geschrieben. Es fehlt nur die Hälfte. Oder so. Er hat tatsächlich nur das geschrieben, was ihn interessiert hat. Unser ganzes restliches Geplapper hat er weggelassen. Oder der Notizblock war schon viel länger voll.

Die beste Freundin bekommt ihn natürlich als erstes zu lesen.

„Wow – Ihr seht ja richtig gut aus.“

Mal sehen, ob sie den Artikel tatsächlich auch noch liest.

Wir jedenfalls nehmen morgen eine neue Folge auf – und erzählen Euch darin, was wir dachten, was den Redakteur sonst noch so brennend interessiert hätte, könnte, wollte…