Blog

„Björni allein zu Haus“

Irgendwie ist es mir ja doch peinlich.

Da gelte ich 10 Jahre lang als Medienprofi, suhle mich in Lob und Anerkennung, wenn die Presse gut oder mindestens neutral über meinen Arbeitgeber schreibt. Erkläre dem Vorstand (und allen anderen), dass es genau so und nicht anders gemacht werden muss. Predige mit dem Heiligenschein des Profis über Wiedererkennung, Glaubwürdigkeit, Emotionalität und Ja-Botschaften.

Und dann das: kaum bin ich einen Tag raus aus dem Geschäft, versage ich kläglich. Tzzzz!

Was war passiert?

Es ist gegen Mittag und ich komme mit meiner Brötchentüte zurück auf den Platz. Ja genau, DER Platz. Wie immer. Das Plauderfenster ist geöffnet und davor stehen der Chef des Platzes, seine Kollegin und ein stattlicher, markanter Mann. Die Chefin selbst hat drinnen alle Hände voll zu tun, also geselle ich mich vor dem Fenster dazu. Eine Schachtel Zigaretten fällt zu Boden und weil die Kippen nun eh schon raus sind, gibt der Chef eine Runde aus. Ehrenmann.

Wir plaudern über dies und das, der Mann neben mir möchte sich ein neues Wohnmobil kaufen und denkt über einen Doppelachser nach – wegen der Fahrstabilität. Erzählt mir, dass er bisher immer dort gewohnt hat, wo andere Urlaub machen. Von Bad Rothenfelde mehrmals quer durch die Republik und jetzt eben hier in Scharbeutz. Aber am liebsten ist er mit dem Wohnmobil unterwegs, seit 20 Jahren schon.

Es wird gelacht, es wird geraucht und es werden zotige Witze gerissen. Eine Anekdote jagt die nächste und das Plauderfenster muss geschlossen werden, weil Gaby sich nicht konzentrieren kann. Es ist kurz davor, dass ich das erste Bier aus dem Walter hole.

Plötzlich muss der unbekannte Typ aber los – sein Auto steht quer in der Einfahrt und hindert drei große Camper daran, abzureisen. Schade, wirklich schade – ich hätte hier auch noch länger stehen können. Mache ich dann auch, wann hab ich sonst schon mal Zeit zum Plaudern?

Und während er noch winkt und „bis bald“ ruft, denke ich darüber nach, woher ich den Typen kenne. Irgendwie kommt mir das Gesicht, die Stimme und die Gestik bekannt vor. Ich weiß nur nicht, woher. Ich ordne ihn irgendwie in meine Hamburger Zeit ein, aber das kann auch nicht sein. Hamburg kam in seiner Urlaubs-Wohnort-Aufzählung nicht vor.

Egal, ich wende mich wieder den anderen zu, als meine Lieblings-Platz-Aufpasserin sagt „als er das erste Mal hier war, hab ich ihn erstmal angemotzt.“

„ich glaub, Du hast hier jedem schon mal ‚ne Ansage gemacht“

„kann sein, aber ich hab ihn damals einfach nicht erkannt“

Hä? Erkannt? Instinktiv halte ich jetzt mal den Mund und stelle keine blöde Frage… passiert mir selten, rettet mich diesmal aber.

Der gute Mann ist offensichtlich ein Freund des Hauses (also des Platzes) und man kennt sich schon länger.

Als es bei der Anmeldung etwas ruhiger wird, ruft die Chefin von innen durchs Fenster: „Ihr hättet mit Hans Meiser auch ein Foto machen können, ich glaube das hätte ihn nicht gestört“

HANS MEISER? Ich erkenne Hans Meiser nicht, obwohl er eine Stunde neben mir steht und wir tratschen wie die Waschweiber? DAS darfst Du wirklich niemandem erzählen.

Ich lache mich innerlich tot, wirklich. Der Erfinder der Talkshow, dessen Konzept ich 15 Jahre später kopiere und mich selbst an einer Talkshow versuche. DAS Gesicht und DIE Stimme der privaten Radio- und Fernsehsender. So viel zum Thema „Medienprofi“.

Das Team des Womo-Hafen Scharbeutz sucht noch fieberhaft nach seiner Telefonnummer – „…ihr müsst euch doch mal kennenlernen“.

Leider vergebens, keine Nummer zu finden. Aber vielleicht liest er hier ja zufällig mit? Also #HansMeiser, es tut mir wirklich leid! Und ja, ich würde Dich wirklich gerne nochmal treffen. Ich habe da nämlich eine Idee…

Etwas später schreibe ich der geliebten Platzbesetzerin, welche leider noch zu Hause bleiben musste. Als ich ihr von unserer launigen Mittagsrunde und meinem verblassenden Stern als Medienprofi berichte, fragt sie: „Wer ist Hans Meiser?“

Hektisch suche ich nach der versteckten Kamera, wer weiß, vielleicht hat Hans ja ein neues Projekt? Nein, ich argumentiere einfach damit, dass Soni noch viel zu jung ist, um ihn wirklich zu kennen. Auch wenn sie später behauptet, ihn doch zu kennen. Nachdem ich ihr den entsprechenden Wikipedia-Link geschickt habe.

Wie auch immer, nach einem so launig ausgedehnten Vormittag lohnt es auch nicht mehr zu frühstücken und ich gehe direkt zum Mittagsschlaf über. Schon ganz geil, keine Verpflichtung zu haben. Und allein mit dem Walter bin ich auch. Soni kommt morgen hoffentlich nach, bis dahin herrscht hier ein Männerhaushalt.

Und entgegen allen landläufigen Klischees funktioniert das sogar sehr gut – wenn auch etwas anders.

Das wichtigste zuerst: ja, ich esse etwas.
Gestern habe ich freiwillig den Gaser in Betrieb genommen und es gab Grillfl… ähm Gasfleisch und dazu …. nee, nix dazu. Reicht doch.

Heute habe ich gefrühstückt, nach dem Mittagsschlaf. Das war lecker, so mit halbfrischen Brötchen.

Und den Abwasch mache ich natürlich auch. Wenn es notwendig ist. Also, wenn ich eine neue Tasse brauche oder so.

Und zum Abwaschen stelle ich sogar das warme Wasser an. Wenn dann zum Duschen noch etwas übrig ist: gut. Wenn nicht, auch gut. Kalt duschen geht nämlich viel schneller.

Ach ja, aufräumen muss ich gar nicht. Hab nämlich auch nix ausgeräumt. Außer dem Stuhl, der muss ja. Zum Rauchen.

Und sonst? Naja, nicht viel. Kuchen kann ich direkt beim Bäcker essen. Und das Handtuch zum Strand habe ich links oben gefunden.

Ihr seht also, alles in Ordnung hier bei den Männern. Aber das Beste an ein paar Tagen sturmfrei ist, dass man sich wieder vermisst!

Und deshalb freue ich mich wirklich darauf, ab morgen den Abwasch wieder sofort zu machen und das ein oder andere aufzuräumen.

Gute Nacht geliebte Platzbesetzerin!

Über- Unter- und andere …raschungen auf dem Campingplatz

„Von Euch haben wir ja lange nichts mehr gehört“

Das hören wir (leider) öfter in letzter Zeit.
Und es stimmt: zu wenig Zeit, zu viel beschäftigt und zu wenig unterwegs.

Aber die gute Nachricht ist: die Platzbesetzer sind wieder da. JUHUHUHU .

Wir waren mal wieder unterwegs, diesmal in …. ach hört doch lieber selbst 😉 Es gibt nämlich einen neuen Podcast.

Diesmal geht es um Überraschungen, auf dem Stellplatz und auch sonst im Leben. Und wir sprechen über (nicht) eingehaltene Regeln, notwendiges Schuhwerk und Björnis Kompromisse.

Viel Spaß beim zuhören und bis bald

Björni, Soni & Karl – wir sind die Platzbesetzer

Link zum Podcast: hier klicken

#kakaraschung

#WomohafenScharbeutzerStrand

Lästern und gelästert werden

„ach guck mal, da kommen die, die niemals zweimal auf denselben Platz fahren“

So ähnlich klang die Begrüßung auch, wenn man früher bei Tante Herha 30min zu spät zum Familientreffen aus der großen Stadt ankam.

Nur diesmal fühlen wir uns tatsächlich wie zu Hause: ankommen, Platz finden und den ersten Sekt aufreißen. Wir sind mal wieder im WoMo Hafen Scharbeutz (www.facebook.com/WomohafenScharbeutzerStrand). Wenn man sich an einem Ort so wohl fühlt wie hier, kann man moralische Grundsätze schon mal über Bord werfen. Haben wir getan, inzwischen zum siebten Mal.

Und während wir zufrieden in der Sonne sitzen und den ersten Glimmer des Tages haben, rollt ein WoMo nach dem nächsten auf den Platz. Wir fühlen uns moralisch total überlegen – waren wir doch rechtzeitig hier und haben noch einen Stellplatz ergattert. Außerdem brauchen wir längst nicht mehr soviel Zeit wie der Typ im grünen Van schräg gegenüber, bis wir am Strom hängen, die Stühle draußen haben und auf den Rampen stehen. Außerdem – der steht ja falsch herum. Das weiß man doch, dass hier in Fahrtrichtung ….. Moment mal! Lästern wir etwa gerade?

NEEEEEIIIIINNNN….!!! Wir stellen nur fest.

DOCH! Ich erwische uns dabei, wie wir vom allerfeinsten ablästern.

Dabei sind wir selbst doch die totalen Spießer geworden. WoMo-Spießer. Kaum schaffen wir es,  halbwegs pünktlich loszufahren, den Wassertank nicht ganz austrocknen zu lassen und immer ein olles Toastbrot an Bord zu haben, fühlen wir uns wie die Vollprofis. Und denken kurz darüber nach, dem Kollegen nebenan kluge Ratschläge zu geben.

Ich kann mich gerade noch beherrschen, aber es ist knapp. Ich erwische mich dabei, wie ich eine innere WoMo-Spießer-Monk-Liste abhake – mit erschreckendem Ergebnis.

Dinge, die wir niemals tun würden … wollten … naja:

  • 2x oder öfter an denselben Platz fahren
    hahahahahahahahaha …. nee, würden wir nie tun. Außer 7x, dann geht’s

  • Ausrichten in Fahrtrichtung, wie der Platzwart es wünscht
    Hallo? Wer sind wir denn, dass wir tun, was ein Platzwart will?! Also wir stellen …. „Schatz, passt das so? Stehen wir gerade?“

  • Dreiklang des Wohnmobilisten: auf die Rampen fahren, Strom anschließen, Klappstühle raus.
    ähm, ja? Wie denn sonst?

  • Satellitenschüssel ausrichten und abends GEMÜTLICH die Tagesschau gucken
    Haben wir nicht. Wollen wir tatsächlich auch nicht. Zumindest nicht, solange es Rotwein im Walter gibt.

    Und während ich gestern Abend draußen vor der Tür stehe und rauche, sehe ich alles doppelt und dreifach. Hmm, soviel Rotwein war es doch noch gar nicht…. In der Reihe vor uns flimmert es durch die Scheiben um die Wette. Drei Wohnmobile – ein Vollintegrierter, ein Alkoven und ein Offroad. Und bei allen drei flimmert dasselbe Bild über den Flatscreen, der größer ist als unsere Tischplatte.

  • Kunstrasen oder Teppich vorm Einstieg
    Da kann der Michael mit Jumbo auf Tour (www.facebook.com/MitJumboaufTour) noch so viel lästern und giggeln, nein! Eher zieht hier ein Saugroboter ein.

  • (Faltbare) Spülschüssel
    Nein, nein und nochmals nein. Solange ich in der Lage bin, einen schlecht laufenden Abfluss im Walter zu einem reißenden Strudel umzubauen, werde ich mich dagegen wehren. Nein Soni, auch nicht in pink!

  • Camping-Gas-Grill
    Also …. alles mit Gas ist ja kochen und hat mit Grillen nichts zu tun. Und wenn ich Grillfleisch möchte, muss ich eben vorher Holzkohle anzünden. Iss so.

    Ach so, darf man hier nicht. Brandgefahr. Hmm, verstehe.

    Nun ist es ja so, dass wir ein Geschenk bekommen haben. Von wirklich sehr lieben Freunden. Aus gegebenem Anlass haben sie sich zusammengetan und uns … also eher Soni  … ein wirklich großes Geschenk gemacht. Einen Camping-Gas-Grill. So recht wollte mir das mit der vorgetäuschten Freude nicht gelingen. Und das wurde wohl bemerkt: „warte ab Björn, Du wirst Dich noch freuen, wenn Holzkohle nicht erlaubt ist“

    Ja, würde ich jetzt tatsächlich. Scheiß auf Grillaroma-Holzkohle-blabla. Das Problem ist nur: wir haben ihn vergessen. Der niegelnagelneue Gasgrill steht genau dort, wo ich ihn zum Einpacken bereit gestellt habe: zu Hause.

    Über das hämische Kichern und Lachen der geliebten Grillbesetzerin brauche ich hier nicht weiter zu schreiben, oder?!

  • Multifunktions-Highend-Tracking-E-Bikes mit farblich passendem Helm, Multifunktions-Highend-Sportkleidung und Abdeckplane für den Fahrradheckträger
    hmm, also, nun ja. Haben wir. Alles, außer der Sportkleidung und Helme.
    Aber irgendwie auch nicht – die Fahrräder stehen nämlich neben dem Gasgrill und hoffen darauf, dass wir sie vielleicht beim nächsten Mal mitnehmen.

  • Multifunktions-Windbreaker im Partnerlook
    Ganz ehrlich, das ist Endstufe. Um am Strand spazieren zu gehen, braucht man keine Multifunktionsjacke. Und schon gar nicht eine in M und eine zweite in XL in derselben Farbe. Das haben nicht mal unsere Eltern gebracht.

    „kann ich ein T-Shirt von Dir haben? Ich habe keine mehr“

  • Thermo-Scheiben-Abdeckung
    ach nee, noch bin ich frisch verliebt und male lieber Herzchen in die von innen beschlagene Frontscheibe.

  • Gummi-Crocs in schwarz, blau oder rosa
    o.k., erwischt! Auch wir tragen das Camping-Einheits-Schuhwerk. Ist aber auch verdammt praktisch.

Es wird Zeit für ein erstes Frühstück. Nescafé Gold gibt mir immer noch das Gefühl von Freiheit, Zigaretten sind auch noch da und draußen scheint die Sonne.

Während ich in Gedanken unsere ganz persönliche Camping-Spießer-Bilanz ziehe, huscht in der Reihe ganz vorne ein müder Mann im Bademantel über den Platz. 7:4 für uns, noch. Liebe Grüße an den Mann im Bademantel, wir kommen wieder. Und vielleicht stellen wir uns dann ja mal neben Jumbo ….

Das Pullerlieschen & der Beckenrandschwimmer

Wenn Du einen Satz mit „eigentlich“ beginnst, kannst du es „eigentlich“ auch gleich ganz lassen

Eigentlich war das alles ganz anders geplant. Wild und geil sollte unser Leben sein, unkonventionell, frei und besonders.

Und nun sitze ich hier zu Hause, ungeduscht, im Jogger und obwohl es ein Sonntag ist, war meine Frau gerade beim Bäcker und hat Streuselkuchen zum Frühstück mitgebracht. Ich könnte glücklicher nicht sein.

Wie konnte es bloß soweit kommen?

Keine Ahnung. Aber ich weiß, dass wir wieder einmal nichts vorbereitet hatten. Naja fast. Einen großen Strauß Rosen hatte ich bestellt. Aber sonst? Walter stand auf der Einfahrt, wie ich ihn vor zwei Wochen abgestellt hatte. Das Spülbecken lag ausgebaut neben dem Chaos aus Ablaufstutzen, Schrauben, Dichtungen und Ideen, die nicht funktioniert haben. Ich hasse es! Ich wollte doch nur „mal eben“ den Abfluss umbauen, damit das Wasser im Spülbecken auch abläuft, wenn wir mit Walter nicht mindestens 45° Neigung nach hinten haben. Handwerklich hatte ich alles perfekt geplant und alles versucht. Allein – es half nix: ein neues Abflussset bestellt – zu klein, noch ein neues Set bestellt – zu groß. Aus beiden ein ganz neues zusammenschustern – passt nicht. Stundenlang online nach einer Gesamtlösung gesucht – nix gefunden. Ich habe keine Ahnung, wer diese Überlauf-Geruchsverschluss-rechts-um-die-Ecke-Ablauf-weniger-als-2cm-Spielraum-Abflüsse erfunden hat. Wasser fließt bergab – nicht geradeaus oder bergauf! Falls derjenige hier mitliest: danke für nichts! Wenn wir mit Walter vorne nicht mindestens einen halben Meter höher stehen als hinten, läuft der Dreck nicht ab. Und von dem Spott der anderen Camper würde ich Dir gerne erzählen, lieber Abflusserfinder.

Jedenfalls, 2 Stunden vor der geplanten Abfahrt habe ich das alte Teil wieder eingebaut. Frischwasser aufzutanken habe ich übrigens nicht mehr geschafft. „Machen wir unterwegs“, hab ich mir gedacht. Bis heute ist der Tank leer, den alten Abfluss haben wir nicht gebraucht.

Noch ein kurzer Blick zurück:
bevor wir hektisch gepackt, den alten Abflussstutzen eingebaut und kein Wasser getankt haben, sind wir überraschend pünktlich losgegangen. Amtsgeschäfte erledigen.

Inzwischen lieben wir es ja, in unserem kleinen Dorf aufs Amt zu gehen. (Link) Lange haben wir nach einer neuen Gelegenheit gesucht, Soni hatte die zündende Idee und jetzt war es endlich so weit.

Geduscht, gestriegelt und bester Dinge stehen wir vor der Tür: geschlossen. Gerade will ich nach der Nummer des für uns zuständigen Amtszimmers auf der großen Tafel neben der Klingel suchen, da öffnet uns eben jener Beamte die Tür persönlich. Fein im Anzug, dezente Krawatte und ebenso guter Dinge wie wir.

Im Anzug habe ich Herrn S. tatsächlich noch nie gesehen. Werde ich auch nie wieder, wie er uns später berichten wird, aber er steht ihm.

Wir werden fröhlich, fast überschwänglich begrüßt, ein kurzer Weg über die amtlichen Flure und schon sind wir da.

Plötzlich springt die Tür auf und ein großer Blumenstrauß schiebt sich herein. Dahinter kaum zu sehen unsere fröhliche Blumenfee, bei der ich vor einer knappen Stunde noch die bestellten Rosen abgeholt habe.

Von wegen „… man muss ja nicht bis zum Valentinstag warten. Blumen zwischendurch sind viel schöner….“ jajaja – Du hast alles gewusst und trotzdem nichts gesagt! Sehr schön, es tut gut zu wissen, wer hier im Dorf noch Geheimnisse bewahren kann.

Jedenfalls bekommen wir überraschend einen Blumenstrauß hereingereicht und dann soll es losgehen.

Haben Sie die xy-Papiere dabei“?

….???“ „nee

na gut, dann muss ich das eben vorlesen. Dauerts halt länger

Nachdem wir 4 Mal bestätigt haben, dass alles seine Richtigkeit hat, geht’s auch schon los.

hier hat übrigens noch nie jemand „nein“ gesagt

Ich fühle mich emotional leicht unter Druck gesetzt.

Für mich ist das hier übrigens die Letzte – für Euch bitte auch

Alles klar, der meint das ernst.

wollen Sie den hier anwesenden … …“

ja

Soni meint es auch ernst, so schnell und klar war ihre Antwort.

Und weil ich es ebenso ernst meine, antworte ich auch schnell und deutlich „ja

Die Unterschrift mit meinem neuen Namen hakelt noch etwas, aber Herr S. verspricht mir, dass niemand außer ihm jemals wieder diese Urkunde anschaut. Und er geht ja nun bald in den verdienten Ruhestand.

Weil hier angeblich noch nie jemand „nein“ gesagt und er uns im Vorfeld vertraut hat, sind alle weiteren Unterlagen schon fertig. Mit Stempel und Siegel und so.

„Eigentlich“ wollten wir diesen Moment und diesen Tag ganz für uns alleine haben. Trotzdem hören wir ein Rufen und Winken, als wir vor die Tür in den schönsten Sonnenschein treten. Ein wenig Familie, engste Freunde und jede Menge Sprutzel. Herrlich!

Wir betrinken uns in der Sonne, Herr S. kommt dazu und plötzlich wirkt alles gar nicht mehr so amtlich. Kurz bevor wir gehen, wird uns noch eine ganz besondere Ehre zu Teil. Wir beschließen, der Chefin vom Einwohnermeldeamt (eigentlich ist sie die heimliche Chefin des ganzen Dorfes) zur Feier des Tages auch eine Dose Prosecco zu bringen.  Weil die Amtszeit des Amtes bereits vorüber ist, werden wir durchs Fenster begrüßt und privat eingelassen. Wir plaudern, scherzen und verabreden uns für den Sommer auf Weißwein und Garnelen in Scharbeutz. Und plötzlich bietet uns Frau D. das „Du“ an.

Mehr geht nicht an diesem Tag!

Drei Stunden später. Aus einer geplanten, kleinen Mittagsruhe wird ein ausgewachsener Mittagsschlaf. Jetzt aber schnell. Immerhin haben wir für den Abend in Hamburg reserviert. Die Tische sind so begehrt, dass ich tatsächlich die „wir heiraten an diesem Tag“ Karte ziehen musste, um überhaupt einen Tisch zu bekommen. Wir sollten also besser pünktlich sein.

Es beginnt der übliche Tanz, kurz bevor wir losfahren: Soni packt einen Wäschekorb mit Klamotten, einer Notration Wein, Wasser für Kaffee und Tee und dies und das. Björni trägt Bettzeug, Schuhe und technischen Krimskrams in den Walter. Diesmal aber erst, nachdem das Spülbecken wieder eingebaut und verschraubt ist – aber das wisst Ihr ja schon.

Jedenfalls sind wir freudig erregt, auch wenn es hektisch ist. Karlchen weiß gar nicht was los ist, guckt verwirrt und hat vor allem Angst, dass er allein zurückbleiben muss. Kommt gar nicht in Frage, das Rudel bleibt zusammen. Für immer, wie uns Herr S. ja heute von Amtswegen empfohlen hat.

Wie auch immer wir das geschafft haben, wir kommen halbwegs pünktlich los. Walter schnurrt, auch wenn der Tank fast so leer wie die Frischwasservorräte sind. Aber irgendwas ist ja immer. Egal, wird schon klappen.

Wir kommen ohne besondere Vorkommnisse am Hafen an und finden auf Anhieb einen Walter-tauglichen Parkplatz direkt vor der Tür. Ich sag ja – das wird unser Tag heute.

Es wuselt, es ist hell, es ist bunt, es ist laut, es stinkt nach Fisch – wir lieben Hamburg!

Die nächsten drei Stunden werden wir verwöhnt, wie es uns sonst nur in den Amtsstuben unseres kleinen Heimatdorfes passiert: ein gediegenes Ambiente, Blick auf den Hafen, ein extrem aufmerksamer, aber unaufdringlicher Service. Nicht zu vergessen die Hamburger Kodderschnautze, mit der jeder Gang und jedes Glas Wein begleitet wird.

Während wir uns aneinander und über das Essen freuen, schweift der Blick zu den anderen Gästen.

Am Tisch direkt hinter uns feiert eine große Familie Papas Geburtstag. Ich schätze, er ist 60 oder 65 geworden. Die drei gerade eben erwachsenen Söhne lümmeln am Ende des Tisches, kratzen genervt die Kräuter vom Steak, trinken den teuren Rotwein wie Wasser und sind ansonsten derart gelangweilt, dass sie nach kurzer Zeit anfangen, Minecraft oder ähnliches auf ihren iPhones zu spielen. Immerhin offenbar miteinander/gegeneinander. Papa ist trotzdem glücklich, seine jüngere Tochter plaudert nämlich aufgeregt mit ihm und himmelt ihn an. Oma, Opa und Mutti sind so mittendrin und tauschen den neusten Familientratsch aus.

Als erstes entdecken wir links neben uns Frau Unternehmergattin. Soni identifiziert auf Anhieb Kleidung und Handtasche im fünfstelligen Bereich. Bezahlt wahrscheinlich von ihrem klischeehaften Hanseaten-Mann, welcher wahrscheinlich Unternehmer im Gewürz- oder Kaffeehandel ist. Es wäre jedenfalls eine Schande, mit seiner riesigen Nase nicht in diesem Bereich erfolgreich zu sein. Außerdem identifiziere ich auch hier eine gewisse Langeweile, allerdings weniger am Tisch als vielmehr im Leben insgesamt. Aber das sind natürlich alles nur Klischees.

Übrigens: Vorsicht vor Klischees. Rechts von uns sitzt ein älterer Herr, stattlich mit schlohweißem Haar. Ihm gegenüber in unserem Blickfeld eine bildhübsche Frau, deutlich jünger als Soni. „War ja klar, alter weißer Mann mit Geld und seine Gespielin“ denken wir und verdrehen innerlich die Augen. Als wir später gehen, sehen wir neben ihm – vorhin nicht in unserem Blickfeld – eine ebenso bildhübsche Frau, ebenso alt wie der weißhaarige Mann. Und es ist unverkennbar eine Vater-Mutter-Tochter-Konstellation dort am Tisch.

Welche Klischees auch immer wir hervorrufen bei den anderen Gästen, irgendwann kurz vor der Sperrstunde gehen wir fröhlich knutschend zu Walter, sind satt, zufrieden und leicht angetüddert. Karlchen dagegen findet das alles doof. Es ist ihm zu laut, zu hell und überhaupt: „Wo wart ihr denn so lange ohne mich“.

Schon immer wollten wir über Nacht mal am Fischmarkt stehen. Gesagt, getan. Die knapp 200m zurück findet Walter alleine, mit unserer Hilfe sogar einen freien Platz. Mit Blick auf den geschäftigen Hafen schlafen wir zufrieden ein.

Guten Morgen Frau Tiedemann, wie hast Du geschlafen“ säusele ich meiner Frau am nächsten Morgen ins Ohr, als sie zwei Stunden nach mir wach wird.

Hör bloß auf, Polizeisirene, Party, Kopfsteinpflaster und Regen auf dem Dach. Wer soll denn da schlafen?

Ich kriege mich fast nicht mehr ein vor Lachen – genau so geht es mir auch. Wenn ich überhaupt geschlafen habe, dann nur kurz und mit laufender Unterbrechung. Ständig hatte ich das Gefühl, jemand steht direkt am Walter, der LKW hinter uns löst ein Erdbeben aus und die Möwen kreischen mir ins Ohr. Fehlt nur noch, dass ein Parkplatzwächter mit der Taschenlampe zu uns reinleuchtet. Ach ja, hat er ja auch. Kurz nach 6, als ich schon aufgestanden war.

Wann ist es eigentlich passiert, dass wir solche Pullerlieschen geworden sind? „Früher“ waren wir selbst diejenigen, die nicht laut genug sein konnten und bis zum Sonnenaufgang durchgefeiert haben. Und jetzt? Können wir in Hamburg nicht mehr ruhig schlafen. Ich glaub es ja nicht!

Wie auch immer – wir lieben Hamburg trotzdem. Der erste Kaffee im Regen an der Kaimauer ist durch nichts zu ersetzen. Höchstens vielleicht durch ein Frühstück am Strand. Und das holen wir uns jetzt. Auf geht’s an die Küste.

Walter schafft es bis zur nächsten Tankstelle, dort gibt’s neben Diesel noch einen Kaffee und nach einer guten Stunde sind wir auch schon da. Wie gestern auch mehr als pünktlich. Was ist hier los? Sollte uns das Eheleben etwa …. nein! Denk nicht einmal daran! Wild & geil soll es sein, eigentlich.

Wir haben einen Termin, aber der verläuft eher enttäuschend. Macht nichts, wir ziehen weiter und erkunden die Küste. Nach einem klassischen Mittagessen fängt es an zu regnen. Nicht so richtig, sondern so feine, fisselige Bindfäden, die überall reinkriechen. Und wenn sie es nicht schaffen, reinzukriechen, drückt der Wind das Wasser durch alle Poren. Es ist widerlich! Und es hört nicht auf. Es wird immer mehr Wasser und immer mehr Wind.

Walter stemmt sich tapfer gegen den Wind, auch wenn er inzwischen eher Schlangenlinien fährt. Aber als Kapitän eines so stolzen Schiffes kann ich das natürlich nicht zugeben. „Wind ist erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben“ zitiere ich mich selbst und fahre tapfer weiter.

Wohin eigentlich? Keine Ahnung. Die letzte Station unserer Rundreise haben wir absolviert und wollten uns jetzt eigentlich einen Stellplatz für die Nacht suchen. Am liebsten direkt am Wasser.

Bei dem Sturm? Selbst ich muss inzwischen zugeben, dass das keine verlockende Idee ist. Die ersten Schafe dürften inzwischen tatsächlich keine Locken mehr haben, wenn sie nicht vorher ertrunken sind. Es schüttet und stürmt wie Odins Rache.

und warum fahren wir nicht einfach nach Hause?“ fragt mich meine frisch angetraute von der Seite. Habe ich wirklich….? Ja! Und sie hat irgendwie Recht. Ob wir jetzt im Sturm und Regen an der Küste stehen und schlecht schlafen oder zu Hause voll die Spießer sind – dafür aber gut schlafen – ist eigentlich keine schwere Entscheidung.

Karl brauchen wir gar nicht erst zu fragen, der findet sowieso gerade alles doof. Teeny eben. Also los. Nach zwei Stunden rollen wir sicher und trocken auf den Hof. Die alten Mauern empfangen uns mit Wärme und Sicherheit. Noch einen Schlummertrunk und am nächsten Morgen werden wir das Gefühl haben, noch nie so gut geschlafen zu haben. Es wird Streuselkuchen zum Frühstück geben und einen Plan für die nächste Tour. Richtung Süden, in die Sonne. Gute Nacht! Und schlaft gut!

back again – Ostseewellen, CheeseCake und sonst nix

Wir haben es wieder getan!

Nach zwei Monaten „Winterpause“ waren die Platzbesetzer wieder unterwegs.

Ein kurzes Wochenende an der Ostsee. Zufall? Hört selbst.

Ein kurzer Podcast, ein kurzes Lebenszeichen.

Viel Spaß!

der neue Podcast – ein kurzes Lebenszeichen von den Platzbesetzern.
kurz die Augen schließen und genießen 😉

Club der toten Männer

Was machen (verheiratete) Männer eigentlich am Sonntag?
Sie erfüllen ihre Pflicht und gehen zum Bäcker!

Seltene Einblicke in einen geheimen Club, über den sonst niemand spricht!

Das Sonntagsfeeling zum Lesen.

Für Dich selbst, Deine Frau oder zum Verschenken.

„Club der toten Männer“
Kurzgeschichten aus dem Alltag eines verheirateten Mannes

Gibt es hier als E-Book oder Taschenbuch

Schrankwand trifft Van – eine Plauderei unter Campern

Moin Herr Nachbar!

Wenn man auf dem Platz nebeneinander steht, kann man sich ja auch mal unterhalten.

Vor allem, wenn ein Van und ein Wohnmobil nebeneinanderstehen. Bei dem ein oder anderen Glas Wein wird es im Walter richtig gemütlich.

Viel Spaß bei philosophischen Betrachtungen über Schrankwand vs. Van, Gasgrill vs. Holzkohle, Handstaubsauger vs. Handfeger und den heißesten Tipps für den nächsten Traumplatz.  

Heute mit Nick, Marco, Soni, Björni & Karl. Viel Spaß beim zuhören!

Oder direkt bei Spotify hören: Hier klicken

(Empfehlung: der youtube-Kanal von Nick und Marco: VANtertainment – YouTube)

„gibt’s eigentlich schon Kaffee?“

Da sitze ich nun und warte. Während ich warte, schaue ich aus dem Fenster.

Ein freundlicher Herr mittleren Alters eilt vorüber. Kurze Zeit später kommt er zurück, ebenso eilig. Es ist windig draußen. Und kalt. Und dunkel. Aber der Müll musste weg, deshalb hat er sich wohl auf den unerfreulichen Weg gemacht.

Kleine Strudel Laub wehen über den Platz. Schön bunt ist es, das Laub – aber tot.

Vorne geht auch jemand vorbei, ich höre den Kies knirschen. Aber ich kann nichts sehen, die Scheibe ist beschlagen. So ein Ärger, dabei hätte ich so gerne gewusst, wer außer mir noch wach ist um diese unchristliche Zeit. Vielleicht war es die fröhliche Dame von gegenüber, die Karl gestern sofort erkannt hat.

Aber jetzt, da! In der aufkommenden Dämmerung erkenne ich erst ein braun-weißes Fellbüschel, dann eine weiße Jacke. Und eine ebenso buschige Pudelmütze. „na, hat Dein Hund auch so lange gequengelt, bis Du endlich aufgestanden bist?“ denke ich und boxe Karl in die Seite.

Der feine Herr meinte nämlich, heute morgen so lange tippeln, quengeln und an meinem Knie lecken zu müssen, bis ich endlich aufgestanden bin. Da war es 5:43 Uhr.

Die geliebte Bettbesetzerin hat natürlich so getan, als würde sie all das nicht hören. Niedlich schnaufend hat sie sich umgedreht und die Decke dabei mitgezogen. Naja, wenn mir jetzt ohnehin schon kalt ist, kann ich ja auch aufstehen.

„kein Problem, Papa macht das schon“

Und so sitze ich hier um kurz nach 6. Karl hat seine Geschäfte erledigt, Soni liegt warm und trocken und ich schaue aus dem Fenster. Immerhin, so leise es ging, habe ich mir einen Kaffee gekocht. Und wer liebt es nicht, bei Nieselregen, Wind und im Halbdunkeln vor der Tür eine zu rauchen?!

Und Karl? Ach ja, der hat sich natürlich wieder hingelegt und pennt.

Würde ich auch gerne, kann ich aber nicht. Wenn ich einmal wach bin, bin ich wach.

Das ist grundsätzlich kein Problem, ich mag diese besondere Stimmung am Morgen. Aber nicht heute. Denn das da draußen ist keine Stimmung, das ist der Trailer zu einem morbiden Hinterhof-Psycho-danach-kann-niemand-schlafen-Film. Das Wetter und die Stimmung spielen Kläranlage. Und ich mittendrin.

Merkt man eigentlich, dass ich den Herbst nicht mag? Nee, oder? Na dann ist ja gut!

Außerdem bin ich unausgeschlafen. Nicht direkt müde, aber so ….. bääähhhh.

Nach drei Tagen Dienstreise, Kopf mit Konzepten, Ideen und Strategien ausgequetscht und so mittelmäßig geschlafen, hatte ich mich darauf gefreut, auszuschlafen und mich unter die warme Decke der Platzbesetzerin zu stehlen. Aber was macht die? Klaut mir ebenjene Decke und überlässt mich den kalten, nassen Bedürfnissen eines hyperaktiven Teenagers mit Fell.

Naja, es ist wie es ist und nach dem dritten Kaffee kann ich draußen wenigstens auch etwas erkennen. Es wird nämlich langsam hell.

Dadurch passiert aber auch nicht viel mehr auf dem Platz. Herzlichen Glückwunsch liebe Mit-Platzbesetzer: entweder habt Ihr keinen Hund oder eine Traumfrau. Ich habe beides, Hund und Traumfrau. Die träumt nämlich offensichtlich irgend etwas schönes, denn sie lächelt im Schlaf. Und wer kann bei einem solchen Anblick noch schlechte Laune haben?

Ich jedenfalls nicht, also mache ich erstmal den Abwasch. Es sind nur die zwei Weingläser von gestern Abend und ein wenig Besteck.

Habt Ihr schon mal versucht, ohne Geräusche abzuwaschen? Ich wollte die geliebte Traumbesetzerin natürlich nicht wecken. Aber auf 15m² im Inneren von Walter macht praktisch alles Geräusche. Atmen, Anziehen, Kaffee trinken – und natürlich auch abwaschen.

Es ist ein spannendes Experiment, alles was Du tust so leise wie irgend möglich zu machen. Ich habe dabei heute morgen gemerkt, was für ein lautes Trampel ich sonst eigentlich bin.

Jedenfalls, die Traumfrau schläft noch immer – Experiment schein gelungen.

Nun würde ich mich gerne umziehen. Hmm, der Kleiderschrank ist direkt neben dem Bett, also wirklich direkt. Das Waschbecken auch.

Egal, wir sind ja nicht zu Hause, da kann man(n) auch mal etwas länger vor sin hin müffeln.

Also sitze ich so rum, schaue aus dem Fenster und sortiere meine Gedanken. Langsam beginne ich, diesen Morgen doch zu mögen.

Bis auf das kurze Knirschen im Kies ist es still. Und ich mag Stille.

Ich schaue aus dem Fenster, freue mich, dass ich wenigstens den Müll nicht rausbringen muss und stelle irgendwann fest, dass ich gar keine Gedanken habe, die ich sortieren müsste.

„Klingelingeling“

„Klingelingeling“

„Klingelingeling“

Ich werde jäh aus meinen Nicht-Gedanken gerissen. Es bimmelt über den ganzen Platz. Sofort fangen rechts und links in den Campern die Hunde an zu bellen.

„Klingelingeling“

Durch die beschlagene Frontscheibe sehe ich verschwommen den Bäckerwagen ganz langsam vorbeifahren.

Dass der Typ noch lebt, grenzt an ein Wunder. Wie kann man um diese Zeit ….

Oh, es ist tatsächlich schon 9:00 Uhr.

„gibt’s eigentlich schon Kaffee?“ höre ich eine vertraute, ausgeschlafene Stimme aus der Ferne.

Na endlich!

„Ach watt is dat schön ann’e Mosel!“

Gefahr ist im Verzug. Wenn die Weinvorräte im Hause der Platzbesetzer auf weniger als eine Wochenration zurückfallen, bricht plötzlich hektische Betriebsamkeit aus.

Der bevorzugte Weinhändler wird kontaktiert, die aktuellen Lieblingsreben werden mit den aktuellen Angeboten abgeglichen, der Kontostand wird geprüft, Bestellungen werden ausgelöst. Es herrscht ein wenig Aufregung, als würde eines der Kinder auf Klassenfahrt gehen.

Nicht so diesmal. Es herrscht buddhistische Gelassenheit. Selbst Karl ist seit ein paar Tagen total entspannt und hibbelt nur, wenn er wirklich dringend raus muss. Aber Karl hat ja auch keine Ahnung von Wein.

Was ist da los? Leben die Platzbesetzer etwa plötzlich enthaltsam?

HahahahahHahahahaha – ja, sie enthalten sich inzwischen vieler Dingen, die früher einmal wichtig erschienen. Aber ein kalter Wein-Entzug? Kannst Du ja mal versuchen – wir nicht 😉

Nein, der Grund ist so banal wie überraschend: es gibt einen Plan.

Und der sieht vor, dass sich das kleine Camping-Rudel von Walter an die Mosel fahren lässt. Und wo, wenn nicht dort, kann man sich quer durch den Rebengarten probieren und wie nebenbei Vorratshaltung betreiben? Außerdem wollte Björni der geliebten Weinkellerbesetzerin mal zeigen, woher die ganzen liebreizenden Gedichte, Klischees und Kulissen deutscher Romantikfilme so stammen.

Also an die Mosel.

Vor die Fahrt an die liebreizende Mosel …. hat natürlich wieder jemand etwas gesetzt. Wer immer es sonst noch war – Björni war auch dabei. Er wollte nämlich vorher noch „eben schnell“ die Terrasse pflastern, die schon seit 8 Monaten brach liegt. Aber jetzt sollte es sein, sonst schmeckt der Wein auch an der Mosel nicht.

Gesagt getan. Und nach wem rufen Middle-Ager, wenn sie ihre eigenen Fähigkeiten und Ressourcen mal wieder völlig überschätzt haben? Genau – nach Opa. Das ist nicht nur für die Kinderbetreuung hilfreich, sondern auch für das Herankarren terrassentypischer Materialien wie Kies und Platten.

Opa schafft also das Material ran, Björni ruiniert das danebenliegende Beet, seine Kniee und die Geduld aller Nachbarn. Aber am Ende ist die Terrasse fertig und Björni glücklich. Federleicht streicht die geliebte Hausbesetzerin den Punkt von der todo-Liste und sagt „dann können wir ja auch schon los“.

In ihrer grenzenlosen Güte vergisst sie diesmal zu erwähnen, dass wir schon seit 21 Stunden dort sein wollten. Um so viel hat sich der geniale Plan der Platzbesetzer nämlich gerade verschoben. Nach hinten, versteht sich. Aber komm, die Terrasse sieht wirklich gut aus!

Walter schnurrt, Karl schnarcht, Soni fährt und Björni bedient das Navi. Nebenbei hören wir alle Podcast, inzwischen eine unserer Lieblingsbeschäftigungen während der Fahrt.

Unsere Empfehlung: „tierisch menschlich“ von und mit Martin Rütter. Und es geht darin am allerwenigsten um Hunde, ehrlich! Großartige, kluge Unterhaltung! Aber natürlich erst, wenn Ihr unsere letzte Podcastfolge gehört habt 😉

Kein Stau, keine Umleitung, kein Malheur – nach zweieinhalb Folgen Podcast hören und etwas mehr als drei Stunden Fahrt sind wir auch schon da. Es ist zwar inzwischen dunkel, aber ich bin mir sicher, aus der Ferne höre ich die Loreley ganz lieblich singen.

„Ach dat wird aber schön ann’e Mosel!“ kann ich meine Vorfreude kaum im Zaum halten, als wir nach dem zweiten Versuch einen Stellplatz für die Nacht finden. (für den ersten, favorisierten Stellplatz sind wir exakt 13 Minuten zu spät angekommen, aber damit will ich Euch nicht langweilen).

Ich liebe es, von Meeresrauschen, Möwengeschrei und salziger Luft geweckt zu werden.

Und der nächste Morgen bietet mir genau das! Aber es wird noch besser: zum Frühstück soll es Fischbrötchen vom nahgelegenen Wochenmarkt geben. Perfekt – frischer geht es nämlich gar nicht.

Von der Gegend hier haben wir ja schon viel gehört – vor allem Chrischan, unser Gast im letzten Podcast der Platzbesetzer, ist ein großer Fan und hat mir während der Hinfahrt noch ganz viele Insidertipps geschickt.

Wir machen uns also auf den Weg, müssen zweimal über den Deich, dann vorbei an ganz niedlichen, kleinen Reetgedeckten Häusern, Salzgras in den Vorgärten und schon sind wir da.

Deich? Reetgedeckte Häuser? Möwen und salzige Luft?

Hatten die Platzbesetzer ihre erste Weinprobe schon vorm Aufstehen oder ist es der kalte Entzug? Das ist nicht Cochem an der Mosel!

Stimmt, das ist Sankt Peter Ording. Und hier singt nicht die Loreley, hier knurrt die Nordsee.  

Kurz bevor wir zu Hause in den Walter gestiegen sind, haben wir uns noch einmal tief in die Augen geschaut …. (jaja, einen Kuss gab es auch, aber Romantik war erst für die Mosel vorgesehen)… und dabei haben wir beschlossen, dass 7 Stunden Fahrt hin und 7 Stunden zurück für 3 Tage Aufenthalt einfach zu viel sind.

Ein kurzer Blick auf die Karte:

„Was lieben wir?“ Das Meer!

„Wo waren wir noch nicht?“ Nordsee!

„Was kennen wir wenigstens aus Erzählungen?“ Sankt Peter!

Und der Weinvorrat? Der kalte Entzug?

Verschoben. NATÜRLICH hat Walter einen Zwischenboden und natürlich liegt da noch Wein. Das reicht nicht ewig, aber für eine halbe Woche an der Nordsee ganz bestimmt. Und wenn wir wieder zurück sind, können wir ja immer noch hektisch werden.

Auf Hektik haben wir im Moment nämlich gar keine Lust mehr. Da passt es gut, dass uns Sankt Peter mit ordentlich Wind, dunklen Wolken und ziemlich kühl empfängt. Nach dem Frühstück auf dem Wochenmarkt heizen wir Walter auf 25° und ziehen uns zurück. Mehr als ein gutes Buch, ein Mittagsschläfchen und das Rauschen der Nordsee im Hintergrund brauchen wir heute nicht. Naja, später den versteckten Rotwein vielleicht noch.

Am nächsten Morgen hören wir die Loreley wieder singen … ähm die Nordsee rauschen. Um 5:30 bin ich fertig mit schlafen, die geliebte Platzbesetzerin und Karl natürlich noch nicht. Ich schleiche durch das Wohnmobil und will die beiden nicht wecken. Aber bei weniger als 15 m² ist man mit Schleichen auch schnell fertig.

Kaffee kochen geht recht geräuscharm, deshalb mache ich das erstmal. Auch hier sind wir übrigens volles Rohr Klischee: im Walter haben wir Nescafe Gold und was soll ich sagen – ich liebe ihn. Sonst bin ich ja recht wählerisch bei Kaffee, aber hier kann ich es ja verraten: wenn wir 2-3 Wochen mal nicht unterwegs sein können, setze ich mich morgens heimlich in den Walter und koche mir dort einen Nescafe. Soni denkt bis heute, ich wäre in dieser Zeit mit Karl unterwegs. Aber er hat versprochen, mich nicht zu verraten.

So ist es auch heute – Karl ist zwar inzwischen wach, aber schläfrig und still. Irgendwann schnappe ich ihn mir trotzdem und wir drehen die erste Platzrunde. Schön ist er angelegt, der „Reisemobilhafen-SPO“. Aber irgendwie ist es laut hier – und das ist weder die Nordsee noch irgendein anderer, lieblicher Gesang.

Ich werde angeschrien.

Alle 5 Meter steht hier irgendein Verbots- oder Hinweisschild und schreit mich an.

Wie man jemanden mit Schildern anschreien kann?

INDEM MAN ALLES GROSS SCHREIBT und hinter jeden Satz mindestens ein Ausrufezeichen setzt!!!!!!!

Auf dem Klo soll ich die Tür festhalten, wenn es windig ist. Geschirr spülen, Gemüse waschen und jeder andere Missbrauch des Waschbeckens ist strengstens verboten. Wenn ich meinen Impfausweis nicht binnen 72 Stunden per E-Mail versende, werde ich des Platzes verwiesen. Und durch die Schranke fährst Du gefälligst nur einzeln, die schließt nämlich automatisch und schnell!!!!!

UND WENN DU IN DIE STADT GEHST, BRINGST DU GEFÄLLIGST BRÖTCHEN FÜR DIE FRAU MIT, HAST DUUUUUU DAAAAS VERSTANDEN? …… !!!!

Wer mich kennt weiß, welche Wirkung Verbote und Anweisungen dieser Art auf mich haben…. wer mich nicht kennt, stellt mir so ein Teil einfach mal vor die Nase.

Ich erwische mich dabei, wie ich morgens um halb sieben elegant unter der Schranke hindurch schlüpfe. Unterm Arm habe ich das schmutzige Geschirr aller Wohnmobile auf dem Platz und starte in DEM Waschbecken eine ausführliche Schaumparty. Als ich endlich fertig bin, lasse ich die Tür fröhlich im Wind klappern und klettere noch schnell auf die „Wallanlagen“ rund um den „Reisemobilhafen“ – das ist nämlich ebenso verboten, wie den Müll nicht zu trennen.

Befriedigt und ohne Brötchen kehre ich zu Walter und der gesetzestreuen Platzbesetzerin zurück.

Wir packen unsere sieben Sachen und verschwinden hier, bevor mir der Platzwart noch den absurden Befehl gibt, vor der eigenen Tür zu kehren.

Die Sonne scheint so doll sie kann und wir folgen ihr zum Strand. Genauer gesagt: auf den Strand. Hier kann man nämlich nicht nur an den Strand fahren, sondern auf den Strand. Sogar mit Walter.

Für einen kurzen Augenblick hat Soni wieder diesen Schweden-Moment, als wir mitten im Wald zurück gerutscht statt wieder hochgefahren sind. Aber sie ist ganz tapfer. Als Walter im weichen Mullersand ein wenig rutscht und schlidddert, freue ich mich wie der kleine Junge am Rodel-Berg. Soni zuckt eher zusammen wie Muddi, die unten auf den Jungen wartet. Aber nur ganz kurz und sie lässt es sich fast nicht anmerken.

Es ist sensationell: über den Schlick fahren wir bis zur Hochwasserkante und parken quer zum Wasser. Das ist allerdings gerade auf dem Rückzug und etwa 800 Meter weit weg. Egal, es ist ein Traumstellplatz an einem Traumstrand bei Traumwetter! Ach ja – der Platzwart war auch schon hier. „Übernachten verboten“ steht auf über-lebensgroßen Schildern. Was soll’s, wollten wir eh nicht. Wer will schon am Strand …. auf dem Strand, direkt am Wasser? Ach neee – wir jedenfalls nicht.

Stattdessen toben wir mit Karl am Strand entlang, halten Mittagsschläfchen in der Sonne, trinken einen Aperol und lernen zwei Freundinnen aus dem Saarland kennen. Ich sag ja, „am Meer ist alles besser“.

Ich weiß nicht, war es zu viel Sonne, zu wenig Wein oder der frische Wind, der hier allenthalben weht. Auf jeden Fall sind wir voll die Spießer, fehlt nur noch der Kunstrasern vor dem Wohnmobil und der Tritt als Einstiegshilfe. Wir sind bald so weit. Denn tatsächlich rufen wir RECHTZEITIG beim Campingplatz an und RESERVIEREN uns einen Platz für die Nacht.

Wer sind Sie uns was haben Sie mit den Platzbesetzern gemacht???

Egal, ich will es gar nicht wissen. Falls wir irgendwann anfangen, unseren Urlaub 6 Monate im Voraus zu planen und zu buchen, kann vielleicht ja mal jemand zum Fieber messen kommen. Bis dahin geht es uns einfach blendend.

Apropos blenden: auch am nächsten Tag scheint die Sonne, als würde es nie wieder Sommer geben und Soni holt sich einen kleinen Brandy. Deshalb sitzt sie jetzt gerade, während ich das hier schreibe, mit einer kühlenden Aloe-ich-weiß-nicht-was-Maske mir gegenüber und ich darf nur innerlich grinsen. Vor allem aber darf ich niemandem davon erzählen. Mach ich ja auch nicht, versprochen. Aber sieht süß aus, irgendwie….

Heute gab es eine große Premiere. Wir sind wieder unterwegs, den endlosen Strand entlang und egal welchen anderen Hund Karl anspringt, anflirtet, bettelt oder anstupst – keiner will mit ihm spielen. Oder darf nicht, weil Herrchen/Frauchen irgendwie verspannt sind. Also muss der Alte über den Strand toben, laufen, sich anspringen lassen und wird in die Leine eingewickelt. Hahahaha – lustig! „Ein bisschen Bewegung tut (Dir) ja auch ganz gut, nicht wahr SCHATZ?!“

… hmm, wem wollte ich das mit der Maske alles nicht erzählen….?

Ich schweife ab. Jedenfalls treffen wir irgendwann auf Willi. Ein ebenso halbstarker, tobesüchtiger, kleiner Hund wie Karl, ebenso hübsch und mit ebenso ausgesprochen netten Herrchen und Frauchen, wie wir es sind …. ähm … räusper … also, was ich sagen wollte. Karl und Willi verstehen sich bombe, wir uns mit den beiden Angestellten von Willi auch.

Und dann wagen wir es (vor allem Soni): wir lassen Karl frei laufen. Ohne Zaun, ohne Leine. Einfach frei am Strand. Und es funktioniert. Er läuft sich die Birne frei, kommt zu uns zurück und alle haben einen riesigen Spaß. Sollte Karl am Ende doch noch ein normaler Hund werden? Wir werden sehen.

Im Kühlschrank haben wir heute Abend doch glatt noch drei Flaschen feinsten Riesling von „Moselmano“ gefunden. Es stimmt also wirklich: „watt is dat schön ann’e Mosel“ – zumindest soweit wir das einschätzen können. Prost denn auch!

PS: Cliffhanger. Am Dienstag geht es schon weiter, dann sind Walter und Björni nämlich das erste Mal allein unterwegs. Dienstlich. Ach herrje!   

fremde Stimmen

Plötzlich sind da fremde Stimmen im Haus mit dem blauen Zaun.

Das gefällt Karl natürlich gar nicht. Gerade hatte er sich zur Mittagsruhe abgelegt, da hört er die fremde Stimme an der Tür. Und Herrchen und Frauchen freuen sich auch noch! Frechheit! Da muss er doch erstmal ordentlich bellen. Sicher ist sicher.

Aber die fremde Stimme bleibt. Gut so! Denn die Platzbesetzer haben Besuch von dem liebsten Freund des Hauses und Hörer der ersten Stunde: Chrischan.

Erst gibt es ein zweites Frühstück, dann wird gearbeitet – und dann stellt Björni einfach das Mikro auf den Tisch.

Viel Spaß bei den wilden Geschichten mit Chrischan, dem Camper-Newbie.

oder hier direkt bei Spotify hören