„Bin ich jetzt in Färnseehn?“

Soni ist aufgeregt.

„Was ziehe ich denn nur an?“

„Und was sagt man da so?“

„Ach ich weiß nicht, ob das wirklich so eine gute Idee war“

Die beste Freundin wird konsultiert, es wird ein laaaaanges Telefonat.

„So ein Foto verzeiht ja auch nix, also pass auf“ ist der konstruktive Rat.

Ich stehe daneben und grinse. Das ist ein bisschen unfair, ich weiß. Aber sie ist so niedlich dabei.

Dabei muss ich zugeben, dass auch ich mich sehr gefreut habe, als der Redakteur der örtlichen Tageszeitung bei mir anrief. Diesmal wollte er nicht über Verspätungen, Zugausfälle oder angebliche Freifahrtwochen sprechen – nein, er wollte mich, wollte uns, privat interviewen. Weil wir die Platzbesetzer sind und darüber schreiben und sprechen.

Soviel Aufmerksamkeit für unseren kleinen Blog freut uns dann ja doch.

Als es an der Tür klopft, hat Soni sich schon wieder beruhigt. Karl nicht. Er tut, wofür er bezahl… ähm gefüttert wird: er bellt, passt auf und flüchtet vor dem fremden Mann unters Sofa. Alles wie immer, gut so.

Wir setzen uns dorthin, wo sonst die Podcasts entstehen. Den obligatorischen Rum möchte unser Gast nicht, er müsse noch fahren. Wir denken kurz darüber nach, aber es ist ja erst Nachmittag und so bleibt die Flasche nur Dekoration fürs Foto.

ABER: wir dürfen das Mikrophon aufstellen und unser Interview als Podcast aufnehmen. Alles wie immer also, gut so.

Gegen Lampenfieber bei einem Interview hilft ein wenig Vorbereitung. Also habe ich der geliebten Platzbesetzerin ein paar Fragen und Themen aufgeschrieben, die uns der Redakteur wahrscheinlich stellen wird. Sie sagt, sie hat nichts vorbereitet, konnte sich aber gedanklich sortieren. Vorher.

Beim Interview ist von der Sortierung natürlich nichts mehr übrig. Wir plappern drauf los, springen von Anekdote zu Anekdote und lachen uns tot. Jetzt ein Rum wäre geil – ach nee, der Nachmittag.

Nach einer Stunde ist noch längst nicht alles gesagt – aber sein Notizblock ist voll. So ein Mist. Und dann sagt er noch, er hätte ja auch längst alles, was er bräuchte. Man eh, wir sind doch gerade erst warmgelaufen.

Zum Abkühlen geht’s nach draußen zu Walter. Ein schnelles Foto und schon muss er los, unser rasender Reporter.

Wir bleiben zurück und mir fällt etwas auf. Da habe ich vor zwei Tagen doch so schön unser Platzbesetzer-Logo ausgedruckt und „zufällig“ an die Wand gehängt. Ganz so, als wäre es in einem kreativen Moment da hängen geblieben.

Das gibt einen tollen Hintergrund fürs Foto“ habe ich Schlaumeier mir so gedacht.

Ja, stimmt. Wenn man das Interview und Foto denn auch dort macht, wo das Logo hängt. Und nicht nebenan beim Rum.

Wie auch immer, wir sind freudig erregt und wollen schnell noch den Podcast sichern, bevor wir uns einen einschenken. Immerhin ist es jetzt schon fast Abend.

Ich lade die Aufnahme hoch und drücke routinemäßig „play“ um noch einmal reinzuhören.

….

Ah ja, Moment. Den Lautsprecher anschalten.

….

Hmm

….

„Soni, kannst Du den Podcast mal auf Deinem Rechner abspielen?

….

Ich brauche jetzt einen doppelten Rum. Da ist nix, außer Stille. Nichts, gar nichts wurde aufgenommen. Da ich niemandem sonst die Schuld rüberschieben kann, ärgere ich mich still vor mich hin. Hilft ja nix.

Naja, heute nun war der große Tag, der Artikel ist erschienen. Wirklich schön und angenehm geschrieben. Es fehlt nur die Hälfte. Oder so. Er hat tatsächlich nur das geschrieben, was ihn interessiert hat. Unser ganzes restliches Geplapper hat er weggelassen. Oder der Notizblock war schon viel länger voll.

Die beste Freundin bekommt ihn natürlich als erstes zu lesen.

„Wow – Ihr seht ja richtig gut aus.“

Mal sehen, ob sie den Artikel tatsächlich auch noch liest.

Wir jedenfalls nehmen morgen eine neue Folge auf – und erzählen Euch darin, was wir dachten, was den Redakteur sonst noch so brennend interessiert hätte, könnte, wollte…

Autor: Björn Pamperin (die-platzbesetzer.de)

Pirat, Autor, Freigeist, Chaot, Monk, kreativer Kopf, Wildfang .... stimmt alles gar nicht und irgendwie doch. Was ich am wenigsten mag, sind Schubladen. Dafür mag ich um so mehr Freiheit, Neugierde, Sonne, das Meer, meine Prinzessin, meine Kinder, das Unbekannte und gutes Essen. Kommt mit auf unsere Reise. Hier wird es bunt und launig, manchmal schräg und launisch. In jedem Fall aber echt und ehrlich. w www.die-platzbesetzer.de und die wohnen hier ww.dashausmitdemblauenzaun.de

Ein Gedanke zu „„Bin ich jetzt in Färnseehn?““

  1. Herzlichen Glückwunsch 😍

    Wow, jetzt seid Ihr richtig, also ich finde, so richtig richtig berühmt. 😊
    Ihr habt es Euch verdient. Lustig, und das kann ich nur bestätigen, mit super sympathischen Stimmen kommt Ihr echt gut rüber. Ein echter Lesegewinn 🤗.
    Macht weiter so und habt viel Spaß dabei 🤗.
    Seid lieb gegrüßt von meinem Waldrand.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s