„dann können wir auch gleich wieder nach Hause fahren“

(24.06.2021) Die Nacht war ruhig, traumlos und irgendwie zu kurz. Zumindest für mich. Ich werde von den verzweifelten Bemühungen eines dreifachen Vaters geweckt, seine Kinder zu erziehen.

„Wenn Du dir jetzt nicht die Schuhe anziehst, können wir auch gleich wieder nach Hause fahren“

Es muss das verzweifelte „neeeeeeeeeiiiiiinnnnn“ des dreijährigen Blondschopfes gewesen sein, das mich jäh aus dem dringend notwendigen, erholsamen Schlaf gerissen hat. Morgens um halb 6. Ob das „neeeeeeeeeiiiiiinnnnn“ und die begleitenden Tränen den Schuhen oder dem zu Hause galten, konnte ich nicht herausfinden.

Zumindest marschiert Papa kurze Zeit später zur Mülltonne an der Ecke unseres Stellplatzes, drei kleine, blonde Kinder im Schlepptau. Alle vier barfuß. Ich sitze mit dem ersten Kaffee und einer Zigarette neben Walter und nicke dem Dreifachvater mitleidig zu. „Ich weiß bescheid mein Lieber, ich habe es schon hinter mir.“

Als die geliebte Hausbesetzerin eine Stunde später ebenfalls wach ist, werde ich mit ihr darüber philosophieren, wie sinnvoll und effektiv solche Auseinandersetzungen mit der eigenen Brut tatsächlich sind. Mich haben sie heute jedenfalls sehr effektiv geweckt.

Wir wollten ja einen Morgen ohne Hektik und ganz entspannt zur Fähre. Gesagt, getan. Noch einen Kaffee, noch ein kurzer Besuch am Strand, für und wider von Erziehungsmaßnahmen abwägen, Karl niedlich finden.

Als ich gerade zu dem Schluss komme, dass man es mit dem Drangsalieren von Kindern auch nicht übertreiben muss, startet Dreifachpapa seinen coolen offroad-Camper und dröhnt vom Platz.

„wann müssen wir eigentlich los zur Fähre?“ frage ich die Mannschaft und blinzle dabei genüsslich in die Sonne.

„eigentlich in 7 Minuten“

Die ungeschriebenen Kommunikationsgesetze in diesem Haus besagen, dass die Verwendung des Wortes „eigentlich“ höchste Alarmstufe bedeutet. Es meint nicht weniger als „wenn Du nicht sofort Deinen Arsch bewegst, können wir auch gleich wieder nach Hause fahren“.

Aber wir hatten ja eine Anreise ohne Hektik geplant – eigentlich.

Ich bin also zum zweiten Mal schlagartig hellwach, raffe unseren ganzen überflüssigen Glamping-Schnick-Schnack zusammen, kippe den Rest Kaffee in den Brombeerbusch und sitze 11 Minuten später im Cockpit. Im Gegensatz zu mir ist Walter ausgeruht und heult kraftvoll auf. Wenn jetzt alles glatt läuft, sind wir überpünktlich an der Fähre. Passiert uns sonst auch nur ausgesprochen selten.

„Ich brauche noch einen Briefkasten, bevor wir rüberfahren“

Ich mag es, wenn sich die geliebte Hausbesetzerin darum kümmert, dass ich nicht zu übermütig werde. Also gut, suchen wir also noch schnell einen Briefkasten. Ganz ohne Hektik.

Als wir endlich zur Fähre kommen, sind es noch 6 Minuten bis zur empfohlenen CheckIn Zeit. Alter Ver-Walter, wie auch immer wir das geschafft haben. Von einem mehr als desinteressierten Einweiser werden wir auf Spur Nr. 5 gebeten, vorbei an einer 200m langen Schlange wartender Autos und Camper. Irgendwo mittendrin meine ich, einen coolen Offroad Camper zu sehen, aber ich kann mich auch täuschen.

Wir stehen also in der ersten Reihe und es bleibt sogar noch Zeit für eine Zigarette – ohne Hektik. Vor uns ein Koloss aus Stahl, der nur darauf wartet, hunderte Autos mit völlig entspannten Insassen aufzunehmen. Und uns natürlich.

Und tatsächlich: nachdem etwa 20 LKWs in seinem Schlund verschwunden sind, fahren wir als erste über die Rampe.

Die Fahrt nach Kopenhagen läuft so flüssig wie der Weißwein, welchen wir später am Hafen trinken werden. Aber vorher haben wir noch eine Mission:

Seit einiger Zeit sind süchtig nach einer kleinen NetFlix-Serie: „Somebody Feed Phil“. Darin reist ein schräger Typ durch die Welt und frisst sich durch die Spezialitäten der jeweiligen Stadt. Großartig! Und jedes Mal bin ich neidisch, dass mich keine Kamera begleitet und Netflix meine Rechnung bezahlt, wenn ich einen Querfraß-Anfall habe.

Wie auch immer, jedenfalls war Phil in einer der Folgen auch in Kopenhagen und seitdem haben wir Appetit auf das großartige Smörebröd, welches er hier gegessen hat. Das Aamanns Deli ist schnell gefunden und wir sind begeistert. Cooler Laden, man kann sich kaum entscheiden zwischen den vielen wirklich kreativen und leckeren Varianten.

Wir sind hungrig und bestellen je ein Mal „beef Tatar“, „creamy mushrooms“, „organic eggs“ und handgekraulte Garnelen. Wahnsinn, was man aus einem belegten Brot alles machen kann. Es ist tatsächlich so lecker, dass ich die knapp 40 EUR die wir bezahlen, großzügig weglächeln kann.

In Vorfreude auf die moderne Variante des typisch dänischen „Abendbrotes“ finden wir unseren Stellplatz am Hafen Kastrup und haben bereits um halb sechs gehörig einen sitzen.

Immerhin, bis zum Sonnenuntergang ist noch reichlich Zeit und ich kann mir in Ruhe die Schiffe im Hafen anschauen. Dabei finde ich sogar zwei, welche ich mir nach dem Smörebröd sogar noch leisten könnte.

Morgen früh geht es ganz entspannt und ohne Hektik weiter, über die Brücke nach Malmö, Schweden.

Ort:                      Kastrup Lystbädehavn

Stellplatz:            Parkplatz, Schotter

Charakter:          sympathisch, leichte Parkplatzromantik
                              Wohnmobile + Wohnwagen
                              großzügige Plätze, direkter Blick auf den Yacht-Hafen

Sanitär:                WC, Duschen, Ver- und Entsorgung

Kosten:                ca.20 EUR / Nacht

Lage:                    direkt am Yacht-Hafen

Infrastruktur:     zu Fuß erreichbar:
                              Yacht-Hafen, kleiner Park mit Spielplatz, Promenade

Fahrrad:              zu empfehlen, um in den nahegelegenen Stadtteil zu kommen

auf dem Platz:   Strom, Bäume für Schatten

Empfehlung:       5 von 10
                              (für die Nacht vor der Brücke sehr gut)

Autor: Björn Pamperin (die-platzbesetzer.de)

Pirat, Autor, Freigeist, Chaot, Monk, kreativer Kopf, Wildfang .... stimmt alles gar nicht und irgendwie doch. Was ich am wenigsten mag, sind Schubladen. Dafür mag ich um so mehr Freiheit, Neugierde, Sonne, das Meer, meine Prinzessin, meine Kinder, das Unbekannte und gutes Essen. Kommt mit auf unsere Reise. Hier wird es bunt und launig, manchmal schräg und launisch. In jedem Fall aber echt und ehrlich. w www.die-platzbesetzer.de und die wohnen hier ww.dashausmitdemblauenzaun.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s