Zwei Blondinen und der Gaspreis:

Erkenntnisse nach 8 Wochen Leben im Wohnmobil

Björn & Soni halten durch: nach 8 Wochen Leben im Wohnmobil gibt es viele ungeklärte Fragen, Erkenntnisse die die Welt verändern (könnten) und jede Menge unbezahlte Werbung.

oder direkt bei Spotify anhören: https://open.spotify.com/episode/5tHa9sFxhpIXpA71KtcW9K

Schlimm, diese Touristen

Heute sind sie kaum zu sehen. Am Strand sind nur die hartgesottenen – in ihren Strandkörben, die sie hoffnungsvoll schon für die ganze Woche gebucht haben. Ist ja sonst bestimmt keiner mehr frei.

Ein paar laufen die Promenade hoch und runter, dick eingepackt in ihrer Funktionswetterkleidung von Wolfskin oder Schmuddelwedda – vorzugsweise im Partnerlook.

Einige lungern in den Cafés und Restaurants rum und trinken heißen Kakao mit Eierlikör.

Aber die meisten sitzen wahrscheinlich in ihrer 20qm Ferienwohnung und schimpfen über das Wetter. Es ist aber auch windig heute an der Ostsee! Und kalt! So ein Ärger – und das im Urlaub.

Die anderen, die weder am Strand noch in einer der anderen Ferienattraktion darauf warten, dass es endlich Sommer wird, sind heute morgen abgereist. Es ist nämlich Samstag – Bettenwechsel. Und das heißt, dass sich pünktlich ab kurz nach 10 Uhr eine Blechlawine Richtung Autobahn über die Strandallee schiebt.

Die meisten haben trotzdem etwas Farbe im Gesicht, die Kinder haben 5kg Muscheln vom Strand ins Auto geschmuggelt und Mutti denkt die ganze Zeit schon darüber nach, ob sie mit dem Wäscheberg noch heute Abend anfangen soll oder ob sie erst noch schnell bei Tante Erna vorbei schauen soll, wenn sie zuhause in Castrop Rauxel angekommen sind.

Mit dem 9-EUR-Ticket fing es an. Menschenmassen tummeln sich am Strand, auf den Fahrradwegen, in den Restaurants und den Shops für Funktionswetterkleidung. Alle fahren an die Ostsee. Anfangs nur am Wochenende, seit südlich von Rahlstedt die Ferien begonnen haben, 7 Tage die Woche.

Unser kleiner Lieblings-WoMo-Hafen in Scharbeutz ist natürlich auch voll besetzt. Ab Freitag heißt es meistens „Leider alle Plätze belegt“.

Und wir mittendrin. Auch wenn wir – ganz namenstreu – unseren Lieblingsplatz besetzt und gegen alle Bestechnungsversuche seit 6 Wochen tapfer verteidigt haben.

Touristen sind ja ein eigenes, bemerkenswertes Völkchen. Auch wenn sie im wahren Leben natürlich alle ganz unterschiedlich und total individuell sind – kaum haben sie ein freies Wochenende oder Urlaub an der Ostsee, wollen Sie nur eins: die perfekte Erholung. Ostsee, wie sie im Buche (bzw. Katalog) steht: Sonnenschein, milde 23 – 25°, bitte nur ein leichter Wind, entferntes Möwenkreischen und Fischbrötchen auf die Hand. Das Wasser bitte angenehm warm, aber trotzdem erfrischend, die Pizza original italienisch und am Abend einen unterhaltsamen Einheimischen mit diesem sympathischen, norddeutschen Dialekt hinterm Tresen.

Weil: muss ja! Immerhin haben sie nur zwei Wochen Zeit, um sich von den ätzenden Kollegen, dem stressigen Anwaltsjob oder den vielfältigen Verpflichtungen im heimischen Sportverein zu erholen.

Und dann wird auf Kommando entspannt! An den Strand geht es mit dem Umzugs- ähhm Bollerwagen. Darin stapelt sich alles, was man für einen perfekten Strandtag so braucht: Decken, Handtücher, Windschutz, Eimer, Schaufel, Backförmchen, Käscher für die Kinder, drei neue Bücher für einen selbst, Handy, Tablet, Sonnencreme, Sonnenschirm, Sonnenbrille und Essen. Ganz wichtig: Essen. Da wird getuppert, mit Tüten geknistert, Frikadellen gebraten, Brote geschmiert, Salate gezaubert, Bier gekühlt, Süßigkeiten gestapelt und Melone geschnitten. Und wenn sich die ganze Musterfamilie nach 3 Stunden Sonnenschein das erste Mal ins Wasser traut, freuen sich die Möwen über den reich gedeckten Tisch.

Das ist der große Moment für Werner im Strandkorb nebenan, der die Möwen nämlich lautstark verscheucht und sich über die frechen Viecher mal so richtig aufregen kann. Letzte Woche fand er es noch ganz lustig, sie mit den Resten von Muttis Leberwurstbrot zu füttern – aber das hier geht eindeutig zu weit. Die können doch nicht …. ach, und jetzt haben sie sich doch tatsächlich die Tüte Chips aus dem offenen Bollerwagen geklaut und fliegen damit auf und davon. Diese Mistviecher!

Als Urlaubsfamilie Mustermann zitternd aus dem Wasser zurück kommt, werden sie ausführlich über Werners Heldentaten aufgeklärt und ermahnt, künftig doch lieber eine Möwenwache am Handtuch zurück zu lassen. Er würde das zur Not auch übernehmen – man muss ihm nur bescheid sagen. Er selbst geht ja nicht mehr ins Wasser: er und Hilde kommen seit 20 Jahren hierher in den Urlaub und im Wasser war er nun wahrlich oft genug in seinem Leben.

Die anderen Strandbesetzer verscheuchen daraufhin jede Möwe, die es nur wagt in Werners Nähe zu kommen oder packen ihre mitgebrachten Leckereien dreifach gesichert in alle vorhandenen Taschen mit Reisverschluss und Druckknöpfen.

Ich liege auf meinem Handtuch daneben und beobachte den frechen, wissenden Blick der zwei Möwen. Sie scheren sich einen Dreck um Werners Vorstellungen, wer hier am Strand was darf und was nicht. Erstens sind sie länger hier, als Werner Urlaub hat. Und zweitens können sie fliegen. Beides nutzen sie geschickt aus, um sich die nächste verlassene Decke und die nächsten frisch angekommenen Urlauber zu suchen. Gerade eben außerhalb Werners Blickweite. Eine clevere Möwe fliegt nämlich nur so weit sie muss.

Nach einer Weile rolle ich mein Handtuch zusammen, lasse mich auf dem Weg von einem CatCar fast überfahren und muss innerlich grinsen, dass Hans-Peter das vierte Eis heute nun wirklich nicht mehr darf. Zumindest nicht, bevor es etwas richtiges zu essen gab.

Als ich beim WoMo-Hafen ankomme werde ich ungläubig gefragt, ob ich „tatsächlich am Strand, bei diesem Massentourismus“ war?! Ja klar, warum denn nicht? Genau deshalb bin ich doch hier – weil ich die Ostsee und den Strand liebe! „aber doch nicht jetzt, in der Saison! Diese Touri-Massen – ganz schlimm….

Hmm, ich denke kurz darüber nach. Die ganzen Touristen kommen aus genau den selben Gründen hierher, warum auch wir hier sind. Und bis vor kurzem waren auch wir „Touristen“. Sogar die schlimmsten von allen – die Wochenend-Touris.

Bis zu dem Tag in der letzten Woche, als die geliebte Amtsstubenbesetzerin uns umgemeldet hat. Ein Formular, zwei Unterschriften – zack bist Du Einheimischer.

Und was soll ich sagen? Irgendwie fühlt es sich doch ganz geil an. Ich beobachte mich dabei, wie ich ein leichtes Gefühl der Überlegenheit bekomme, wenn ich am Strand meinen Ausweis statt der Kurkarte vorzeige. Oder im ReWe „ganz normal“ einkaufe, statt für zwei Wochen Ferienwohnung.

Aber das ist ungerecht. Denn ich mag die Touristen und bin ihnen sogar dankbar.

Touristen sind immer da, wo es besonders schön ist. Darüber kann man schimpfen – aber ganz ehrlich: würdest Du in die mitteldeutsche Tiefebene rund um Magdeburg in den Urlaub fahren? Oder zu einem Autobahndreieck irgendwo in NRW? Eben!

Nun gibt es Touristen, die die Berge lieben, oder die Heide oder eben das Meer. Überall, wohin (viele) Menschen in den Urlaub fahren, ist es meistens schön. Klar, noch schöner war es dort bestimmt, bevor die Tourismusbranche ein großes Urlaubs-Disneyland aus dem ein oder anderen Urlaubsort gemacht hat. Aber viele schöne Urlaubsgegenden haben sich ihren Charme bewahrt. Wir finden, so ist es in Scharbeutz.

Und wären wir nicht als Touristen wie viele andere auch hierhergekommen, hätten wir nie beschlossen hier zu leben. „Leben wo andere Urlaub machen“ klingt so verlockend und romantisch. Ist es tatsächlich auch. Aber der Teil „… andere Urlaub machen“ gehört eben immer noch dazu.

Und ganz ehrlich – wie geil ist es bitte, hunderte Restaurants, Cafés und Eisdielen auf wenigen Meter Promenade zur freien Auswahl zu haben? Und tatsächlich, da dürfen auch Einheimische hingehen. Machen sie auch, wir zumindest.

Aktuell haben wir ja auch Zeit dafür. So ein Wohnmobil ist schnell aufgeräumt, geputzt und wohntauglich – selbst wenn ein kleiner, haariger Quälgeist mit darin lebt. Und dann haben wir Feierabend. Kein Garten, keine Fenster putzen, keine Mitgliederversammlung im örtlichen Sportverein. Tagsüber arbeiten, Abends Urlaub.

Ich erwische unsere kleine Mannschaft gelegentlich dabei, darüber nachzudenken, für immer im Wohnmobil zu leben. Recht günstig ist es ja auch noch.

Aber dann erinnern wir uns daran, wie wenig meine Platzprinzessin kleine, enge, feuchte Räume hat – also eigentlich ja nur 1 Raum. Herbst und Winter sind nicht die schönsten Jahreszeiten, um zu dritt auf engstem Raum zu leben.

Die Ostsee dagegen lieben wir auch im Herbst und Winter sehr – ganz ohne diese nervigen Touristen.

Und deshalb freuen wir uns unbändig darauf, bald in unser kleines Strandhäuschen ziehen zu können, welches ein zwei Räume mehr, eine Waschmaschine, eine richtige Dusche und einen Geschirrspüler hat.

Eine Ferienwohnung mit dieser Ausstattung könnten wir uns hier nämlich gar nicht leisten!

Habt einen schönen Urlaub da draußen und seid nachsichtig mit all den anderen Touristen – ihr seid ja auch welche. Irgendwann und irgendwo einmal.

Es ist nicht immer der Wind, wenn das Wohnmobil wackelt

(ACHTUNG: dieser Podcast kann Spuren von Meeresrauschen enthalten)

Die Platzbesetzer sind wieder da – mit einem neuen Podcast aus … ach, hört doch lieber selbst.

Wir haben mal wieder das Mikro aufgestellt und losgeplaudert. Über Lieblingsplätze, Anfängerfehler, Klischees und vieles Meer.

Und wir sind nicht allein – die Platzbesetzer haben Besuch aus Osnabrück. Ein fröhliches Camperpaar mit einer ganz besonderen Geschichte.

Viel Spaß beim Zuhören und gute Fahrt, wohin auch immer Ihr gerade unterwegs seid.

direkt zu Spotify: Podcastfolge „es ist nicht immer der Wind, wenn das Wohnmobil wackelt“

Unsere heutigen Empfehlungen:

Zeitreisenzauber

VANtertainment – YouTube

„Björni allein zu Haus“

Irgendwie ist es mir ja doch peinlich.

Da gelte ich 10 Jahre lang als Medienprofi, suhle mich in Lob und Anerkennung, wenn die Presse gut oder mindestens neutral über meinen Arbeitgeber schreibt. Erkläre dem Vorstand (und allen anderen), dass es genau so und nicht anders gemacht werden muss. Predige mit dem Heiligenschein des Profis über Wiedererkennung, Glaubwürdigkeit, Emotionalität und Ja-Botschaften.

Und dann das: kaum bin ich einen Tag raus aus dem Geschäft, versage ich kläglich. Tzzzz!

Was war passiert?

Es ist gegen Mittag und ich komme mit meiner Brötchentüte zurück auf den Platz. Ja genau, DER Platz. Wie immer. Das Plauderfenster ist geöffnet und davor stehen der Chef des Platzes, seine Kollegin und ein stattlicher, markanter Mann. Die Chefin selbst hat drinnen alle Hände voll zu tun, also geselle ich mich vor dem Fenster dazu. Eine Schachtel Zigaretten fällt zu Boden und weil die Kippen nun eh schon raus sind, gibt der Chef eine Runde aus. Ehrenmann.

Wir plaudern über dies und das, der Mann neben mir möchte sich ein neues Wohnmobil kaufen und denkt über einen Doppelachser nach – wegen der Fahrstabilität. Erzählt mir, dass er bisher immer dort gewohnt hat, wo andere Urlaub machen. Von Bad Rothenfelde mehrmals quer durch die Republik und jetzt eben hier in Scharbeutz. Aber am liebsten ist er mit dem Wohnmobil unterwegs, seit 20 Jahren schon.

Es wird gelacht, es wird geraucht und es werden zotige Witze gerissen. Eine Anekdote jagt die nächste und das Plauderfenster muss geschlossen werden, weil Gaby sich nicht konzentrieren kann. Es ist kurz davor, dass ich das erste Bier aus dem Walter hole.

Plötzlich muss der unbekannte Typ aber los – sein Auto steht quer in der Einfahrt und hindert drei große Camper daran, abzureisen. Schade, wirklich schade – ich hätte hier auch noch länger stehen können. Mache ich dann auch, wann hab ich sonst schon mal Zeit zum Plaudern?

Und während er noch winkt und „bis bald“ ruft, denke ich darüber nach, woher ich den Typen kenne. Irgendwie kommt mir das Gesicht, die Stimme und die Gestik bekannt vor. Ich weiß nur nicht, woher. Ich ordne ihn irgendwie in meine Hamburger Zeit ein, aber das kann auch nicht sein. Hamburg kam in seiner Urlaubs-Wohnort-Aufzählung nicht vor.

Egal, ich wende mich wieder den anderen zu, als meine Lieblings-Platz-Aufpasserin sagt „als er das erste Mal hier war, hab ich ihn erstmal angemotzt.“

„ich glaub, Du hast hier jedem schon mal ‚ne Ansage gemacht“

„kann sein, aber ich hab ihn damals einfach nicht erkannt“

Hä? Erkannt? Instinktiv halte ich jetzt mal den Mund und stelle keine blöde Frage… passiert mir selten, rettet mich diesmal aber.

Der gute Mann ist offensichtlich ein Freund des Hauses (also des Platzes) und man kennt sich schon länger.

Als es bei der Anmeldung etwas ruhiger wird, ruft die Chefin von innen durchs Fenster: „Ihr hättet mit Hans Meiser auch ein Foto machen können, ich glaube das hätte ihn nicht gestört“

HANS MEISER? Ich erkenne Hans Meiser nicht, obwohl er eine Stunde neben mir steht und wir tratschen wie die Waschweiber? DAS darfst Du wirklich niemandem erzählen.

Ich lache mich innerlich tot, wirklich. Der Erfinder der Talkshow, dessen Konzept ich 15 Jahre später kopiere und mich selbst an einer Talkshow versuche. DAS Gesicht und DIE Stimme der privaten Radio- und Fernsehsender. So viel zum Thema „Medienprofi“.

Das Team des Womo-Hafen Scharbeutz sucht noch fieberhaft nach seiner Telefonnummer – „…ihr müsst euch doch mal kennenlernen“.

Leider vergebens, keine Nummer zu finden. Aber vielleicht liest er hier ja zufällig mit? Also #HansMeiser, es tut mir wirklich leid! Und ja, ich würde Dich wirklich gerne nochmal treffen. Ich habe da nämlich eine Idee…

Etwas später schreibe ich der geliebten Platzbesetzerin, welche leider noch zu Hause bleiben musste. Als ich ihr von unserer launigen Mittagsrunde und meinem verblassenden Stern als Medienprofi berichte, fragt sie: „Wer ist Hans Meiser?“

Hektisch suche ich nach der versteckten Kamera, wer weiß, vielleicht hat Hans ja ein neues Projekt? Nein, ich argumentiere einfach damit, dass Soni noch viel zu jung ist, um ihn wirklich zu kennen. Auch wenn sie später behauptet, ihn doch zu kennen. Nachdem ich ihr den entsprechenden Wikipedia-Link geschickt habe.

Wie auch immer, nach einem so launig ausgedehnten Vormittag lohnt es auch nicht mehr zu frühstücken und ich gehe direkt zum Mittagsschlaf über. Schon ganz geil, keine Verpflichtung zu haben. Und allein mit dem Walter bin ich auch. Soni kommt morgen hoffentlich nach, bis dahin herrscht hier ein Männerhaushalt.

Und entgegen allen landläufigen Klischees funktioniert das sogar sehr gut – wenn auch etwas anders.

Das wichtigste zuerst: ja, ich esse etwas.
Gestern habe ich freiwillig den Gaser in Betrieb genommen und es gab Grillfl… ähm Gasfleisch und dazu …. nee, nix dazu. Reicht doch.

Heute habe ich gefrühstückt, nach dem Mittagsschlaf. Das war lecker, so mit halbfrischen Brötchen.

Und den Abwasch mache ich natürlich auch. Wenn es notwendig ist. Also, wenn ich eine neue Tasse brauche oder so.

Und zum Abwaschen stelle ich sogar das warme Wasser an. Wenn dann zum Duschen noch etwas übrig ist: gut. Wenn nicht, auch gut. Kalt duschen geht nämlich viel schneller.

Ach ja, aufräumen muss ich gar nicht. Hab nämlich auch nix ausgeräumt. Außer dem Stuhl, der muss ja. Zum Rauchen.

Und sonst? Naja, nicht viel. Kuchen kann ich direkt beim Bäcker essen. Und das Handtuch zum Strand habe ich links oben gefunden.

Ihr seht also, alles in Ordnung hier bei den Männern. Aber das Beste an ein paar Tagen sturmfrei ist, dass man sich wieder vermisst!

Und deshalb freue ich mich wirklich darauf, ab morgen den Abwasch wieder sofort zu machen und das ein oder andere aufzuräumen.

Gute Nacht geliebte Platzbesetzerin!

Über- Unter- und andere …raschungen auf dem Campingplatz

„Von Euch haben wir ja lange nichts mehr gehört“

Das hören wir (leider) öfter in letzter Zeit.
Und es stimmt: zu wenig Zeit, zu viel beschäftigt und zu wenig unterwegs.

Aber die gute Nachricht ist: die Platzbesetzer sind wieder da. JUHUHUHU .

Wir waren mal wieder unterwegs, diesmal in …. ach hört doch lieber selbst 😉 Es gibt nämlich einen neuen Podcast.

Diesmal geht es um Überraschungen, auf dem Stellplatz und auch sonst im Leben. Und wir sprechen über (nicht) eingehaltene Regeln, notwendiges Schuhwerk und Björnis Kompromisse.

Viel Spaß beim zuhören und bis bald

Björni, Soni & Karl – wir sind die Platzbesetzer

Link zum Podcast: hier klicken

#kakaraschung

#WomohafenScharbeutzerStrand

Lästern und gelästert werden

„ach guck mal, da kommen die, die niemals zweimal auf denselben Platz fahren“

So ähnlich klang die Begrüßung auch, wenn man früher bei Tante Herha 30min zu spät zum Familientreffen aus der großen Stadt ankam.

Nur diesmal fühlen wir uns tatsächlich wie zu Hause: ankommen, Platz finden und den ersten Sekt aufreißen. Wir sind mal wieder im WoMo Hafen Scharbeutz (www.facebook.com/WomohafenScharbeutzerStrand). Wenn man sich an einem Ort so wohl fühlt wie hier, kann man moralische Grundsätze schon mal über Bord werfen. Haben wir getan, inzwischen zum siebten Mal.

Und während wir zufrieden in der Sonne sitzen und den ersten Glimmer des Tages haben, rollt ein WoMo nach dem nächsten auf den Platz. Wir fühlen uns moralisch total überlegen – waren wir doch rechtzeitig hier und haben noch einen Stellplatz ergattert. Außerdem brauchen wir längst nicht mehr soviel Zeit wie der Typ im grünen Van schräg gegenüber, bis wir am Strom hängen, die Stühle draußen haben und auf den Rampen stehen. Außerdem – der steht ja falsch herum. Das weiß man doch, dass hier in Fahrtrichtung ….. Moment mal! Lästern wir etwa gerade?

NEEEEEIIIIINNNN….!!! Wir stellen nur fest.

DOCH! Ich erwische uns dabei, wie wir vom allerfeinsten ablästern.

Dabei sind wir selbst doch die totalen Spießer geworden. WoMo-Spießer. Kaum schaffen wir es,  halbwegs pünktlich loszufahren, den Wassertank nicht ganz austrocknen zu lassen und immer ein olles Toastbrot an Bord zu haben, fühlen wir uns wie die Vollprofis. Und denken kurz darüber nach, dem Kollegen nebenan kluge Ratschläge zu geben.

Ich kann mich gerade noch beherrschen, aber es ist knapp. Ich erwische mich dabei, wie ich eine innere WoMo-Spießer-Monk-Liste abhake – mit erschreckendem Ergebnis.

Dinge, die wir niemals tun würden … wollten … naja:

  • 2x oder öfter an denselben Platz fahren
    hahahahahahahahaha …. nee, würden wir nie tun. Außer 7x, dann geht’s

  • Ausrichten in Fahrtrichtung, wie der Platzwart es wünscht
    Hallo? Wer sind wir denn, dass wir tun, was ein Platzwart will?! Also wir stellen …. „Schatz, passt das so? Stehen wir gerade?“

  • Dreiklang des Wohnmobilisten: auf die Rampen fahren, Strom anschließen, Klappstühle raus.
    ähm, ja? Wie denn sonst?

  • Satellitenschüssel ausrichten und abends GEMÜTLICH die Tagesschau gucken
    Haben wir nicht. Wollen wir tatsächlich auch nicht. Zumindest nicht, solange es Rotwein im Walter gibt.

    Und während ich gestern Abend draußen vor der Tür stehe und rauche, sehe ich alles doppelt und dreifach. Hmm, soviel Rotwein war es doch noch gar nicht…. In der Reihe vor uns flimmert es durch die Scheiben um die Wette. Drei Wohnmobile – ein Vollintegrierter, ein Alkoven und ein Offroad. Und bei allen drei flimmert dasselbe Bild über den Flatscreen, der größer ist als unsere Tischplatte.

  • Kunstrasen oder Teppich vorm Einstieg
    Da kann der Michael mit Jumbo auf Tour (www.facebook.com/MitJumboaufTour) noch so viel lästern und giggeln, nein! Eher zieht hier ein Saugroboter ein.

  • (Faltbare) Spülschüssel
    Nein, nein und nochmals nein. Solange ich in der Lage bin, einen schlecht laufenden Abfluss im Walter zu einem reißenden Strudel umzubauen, werde ich mich dagegen wehren. Nein Soni, auch nicht in pink!

  • Camping-Gas-Grill
    Also …. alles mit Gas ist ja kochen und hat mit Grillen nichts zu tun. Und wenn ich Grillfleisch möchte, muss ich eben vorher Holzkohle anzünden. Iss so.

    Ach so, darf man hier nicht. Brandgefahr. Hmm, verstehe.

    Nun ist es ja so, dass wir ein Geschenk bekommen haben. Von wirklich sehr lieben Freunden. Aus gegebenem Anlass haben sie sich zusammengetan und uns … also eher Soni  … ein wirklich großes Geschenk gemacht. Einen Camping-Gas-Grill. So recht wollte mir das mit der vorgetäuschten Freude nicht gelingen. Und das wurde wohl bemerkt: „warte ab Björn, Du wirst Dich noch freuen, wenn Holzkohle nicht erlaubt ist“

    Ja, würde ich jetzt tatsächlich. Scheiß auf Grillaroma-Holzkohle-blabla. Das Problem ist nur: wir haben ihn vergessen. Der niegelnagelneue Gasgrill steht genau dort, wo ich ihn zum Einpacken bereit gestellt habe: zu Hause.

    Über das hämische Kichern und Lachen der geliebten Grillbesetzerin brauche ich hier nicht weiter zu schreiben, oder?!

  • Multifunktions-Highend-Tracking-E-Bikes mit farblich passendem Helm, Multifunktions-Highend-Sportkleidung und Abdeckplane für den Fahrradheckträger
    hmm, also, nun ja. Haben wir. Alles, außer der Sportkleidung und Helme.
    Aber irgendwie auch nicht – die Fahrräder stehen nämlich neben dem Gasgrill und hoffen darauf, dass wir sie vielleicht beim nächsten Mal mitnehmen.

  • Multifunktions-Windbreaker im Partnerlook
    Ganz ehrlich, das ist Endstufe. Um am Strand spazieren zu gehen, braucht man keine Multifunktionsjacke. Und schon gar nicht eine in M und eine zweite in XL in derselben Farbe. Das haben nicht mal unsere Eltern gebracht.

    „kann ich ein T-Shirt von Dir haben? Ich habe keine mehr“

  • Thermo-Scheiben-Abdeckung
    ach nee, noch bin ich frisch verliebt und male lieber Herzchen in die von innen beschlagene Frontscheibe.

  • Gummi-Crocs in schwarz, blau oder rosa
    o.k., erwischt! Auch wir tragen das Camping-Einheits-Schuhwerk. Ist aber auch verdammt praktisch.

Es wird Zeit für ein erstes Frühstück. Nescafé Gold gibt mir immer noch das Gefühl von Freiheit, Zigaretten sind auch noch da und draußen scheint die Sonne.

Während ich in Gedanken unsere ganz persönliche Camping-Spießer-Bilanz ziehe, huscht in der Reihe ganz vorne ein müder Mann im Bademantel über den Platz. 7:4 für uns, noch. Liebe Grüße an den Mann im Bademantel, wir kommen wieder. Und vielleicht stellen wir uns dann ja mal neben Jumbo ….

Das Pullerlieschen & der Beckenrandschwimmer

Wenn Du einen Satz mit „eigentlich“ beginnst, kannst du es „eigentlich“ auch gleich ganz lassen

Eigentlich war das alles ganz anders geplant. Wild und geil sollte unser Leben sein, unkonventionell, frei und besonders.

Und nun sitze ich hier zu Hause, ungeduscht, im Jogger und obwohl es ein Sonntag ist, war meine Frau gerade beim Bäcker und hat Streuselkuchen zum Frühstück mitgebracht. Ich könnte glücklicher nicht sein.

Wie konnte es bloß soweit kommen?

Keine Ahnung. Aber ich weiß, dass wir wieder einmal nichts vorbereitet hatten. Naja fast. Einen großen Strauß Rosen hatte ich bestellt. Aber sonst? Walter stand auf der Einfahrt, wie ich ihn vor zwei Wochen abgestellt hatte. Das Spülbecken lag ausgebaut neben dem Chaos aus Ablaufstutzen, Schrauben, Dichtungen und Ideen, die nicht funktioniert haben. Ich hasse es! Ich wollte doch nur „mal eben“ den Abfluss umbauen, damit das Wasser im Spülbecken auch abläuft, wenn wir mit Walter nicht mindestens 45° Neigung nach hinten haben. Handwerklich hatte ich alles perfekt geplant und alles versucht. Allein – es half nix: ein neues Abflussset bestellt – zu klein, noch ein neues Set bestellt – zu groß. Aus beiden ein ganz neues zusammenschustern – passt nicht. Stundenlang online nach einer Gesamtlösung gesucht – nix gefunden. Ich habe keine Ahnung, wer diese Überlauf-Geruchsverschluss-rechts-um-die-Ecke-Ablauf-weniger-als-2cm-Spielraum-Abflüsse erfunden hat. Wasser fließt bergab – nicht geradeaus oder bergauf! Falls derjenige hier mitliest: danke für nichts! Wenn wir mit Walter vorne nicht mindestens einen halben Meter höher stehen als hinten, läuft der Dreck nicht ab. Und von dem Spott der anderen Camper würde ich Dir gerne erzählen, lieber Abflusserfinder.

Jedenfalls, 2 Stunden vor der geplanten Abfahrt habe ich das alte Teil wieder eingebaut. Frischwasser aufzutanken habe ich übrigens nicht mehr geschafft. „Machen wir unterwegs“, hab ich mir gedacht. Bis heute ist der Tank leer, den alten Abfluss haben wir nicht gebraucht.

Noch ein kurzer Blick zurück:
bevor wir hektisch gepackt, den alten Abflussstutzen eingebaut und kein Wasser getankt haben, sind wir überraschend pünktlich losgegangen. Amtsgeschäfte erledigen.

Inzwischen lieben wir es ja, in unserem kleinen Dorf aufs Amt zu gehen. (Link) Lange haben wir nach einer neuen Gelegenheit gesucht, Soni hatte die zündende Idee und jetzt war es endlich so weit.

Geduscht, gestriegelt und bester Dinge stehen wir vor der Tür: geschlossen. Gerade will ich nach der Nummer des für uns zuständigen Amtszimmers auf der großen Tafel neben der Klingel suchen, da öffnet uns eben jener Beamte die Tür persönlich. Fein im Anzug, dezente Krawatte und ebenso guter Dinge wie wir.

Im Anzug habe ich Herrn S. tatsächlich noch nie gesehen. Werde ich auch nie wieder, wie er uns später berichten wird, aber er steht ihm.

Wir werden fröhlich, fast überschwänglich begrüßt, ein kurzer Weg über die amtlichen Flure und schon sind wir da.

Plötzlich springt die Tür auf und ein großer Blumenstrauß schiebt sich herein. Dahinter kaum zu sehen unsere fröhliche Blumenfee, bei der ich vor einer knappen Stunde noch die bestellten Rosen abgeholt habe.

Von wegen „… man muss ja nicht bis zum Valentinstag warten. Blumen zwischendurch sind viel schöner….“ jajaja – Du hast alles gewusst und trotzdem nichts gesagt! Sehr schön, es tut gut zu wissen, wer hier im Dorf noch Geheimnisse bewahren kann.

Jedenfalls bekommen wir überraschend einen Blumenstrauß hereingereicht und dann soll es losgehen.

Haben Sie die xy-Papiere dabei“?

….???“ „nee

na gut, dann muss ich das eben vorlesen. Dauerts halt länger

Nachdem wir 4 Mal bestätigt haben, dass alles seine Richtigkeit hat, geht’s auch schon los.

hier hat übrigens noch nie jemand „nein“ gesagt

Ich fühle mich emotional leicht unter Druck gesetzt.

Für mich ist das hier übrigens die Letzte – für Euch bitte auch

Alles klar, der meint das ernst.

wollen Sie den hier anwesenden … …“

ja

Soni meint es auch ernst, so schnell und klar war ihre Antwort.

Und weil ich es ebenso ernst meine, antworte ich auch schnell und deutlich „ja

Die Unterschrift mit meinem neuen Namen hakelt noch etwas, aber Herr S. verspricht mir, dass niemand außer ihm jemals wieder diese Urkunde anschaut. Und er geht ja nun bald in den verdienten Ruhestand.

Weil hier angeblich noch nie jemand „nein“ gesagt und er uns im Vorfeld vertraut hat, sind alle weiteren Unterlagen schon fertig. Mit Stempel und Siegel und so.

„Eigentlich“ wollten wir diesen Moment und diesen Tag ganz für uns alleine haben. Trotzdem hören wir ein Rufen und Winken, als wir vor die Tür in den schönsten Sonnenschein treten. Ein wenig Familie, engste Freunde und jede Menge Sprutzel. Herrlich!

Wir betrinken uns in der Sonne, Herr S. kommt dazu und plötzlich wirkt alles gar nicht mehr so amtlich. Kurz bevor wir gehen, wird uns noch eine ganz besondere Ehre zu Teil. Wir beschließen, der Chefin vom Einwohnermeldeamt (eigentlich ist sie die heimliche Chefin des ganzen Dorfes) zur Feier des Tages auch eine Dose Prosecco zu bringen.  Weil die Amtszeit des Amtes bereits vorüber ist, werden wir durchs Fenster begrüßt und privat eingelassen. Wir plaudern, scherzen und verabreden uns für den Sommer auf Weißwein und Garnelen in Scharbeutz. Und plötzlich bietet uns Frau D. das „Du“ an.

Mehr geht nicht an diesem Tag!

Drei Stunden später. Aus einer geplanten, kleinen Mittagsruhe wird ein ausgewachsener Mittagsschlaf. Jetzt aber schnell. Immerhin haben wir für den Abend in Hamburg reserviert. Die Tische sind so begehrt, dass ich tatsächlich die „wir heiraten an diesem Tag“ Karte ziehen musste, um überhaupt einen Tisch zu bekommen. Wir sollten also besser pünktlich sein.

Es beginnt der übliche Tanz, kurz bevor wir losfahren: Soni packt einen Wäschekorb mit Klamotten, einer Notration Wein, Wasser für Kaffee und Tee und dies und das. Björni trägt Bettzeug, Schuhe und technischen Krimskrams in den Walter. Diesmal aber erst, nachdem das Spülbecken wieder eingebaut und verschraubt ist – aber das wisst Ihr ja schon.

Jedenfalls sind wir freudig erregt, auch wenn es hektisch ist. Karlchen weiß gar nicht was los ist, guckt verwirrt und hat vor allem Angst, dass er allein zurückbleiben muss. Kommt gar nicht in Frage, das Rudel bleibt zusammen. Für immer, wie uns Herr S. ja heute von Amtswegen empfohlen hat.

Wie auch immer wir das geschafft haben, wir kommen halbwegs pünktlich los. Walter schnurrt, auch wenn der Tank fast so leer wie die Frischwasservorräte sind. Aber irgendwas ist ja immer. Egal, wird schon klappen.

Wir kommen ohne besondere Vorkommnisse am Hafen an und finden auf Anhieb einen Walter-tauglichen Parkplatz direkt vor der Tür. Ich sag ja – das wird unser Tag heute.

Es wuselt, es ist hell, es ist bunt, es ist laut, es stinkt nach Fisch – wir lieben Hamburg!

Die nächsten drei Stunden werden wir verwöhnt, wie es uns sonst nur in den Amtsstuben unseres kleinen Heimatdorfes passiert: ein gediegenes Ambiente, Blick auf den Hafen, ein extrem aufmerksamer, aber unaufdringlicher Service. Nicht zu vergessen die Hamburger Kodderschnautze, mit der jeder Gang und jedes Glas Wein begleitet wird.

Während wir uns aneinander und über das Essen freuen, schweift der Blick zu den anderen Gästen.

Am Tisch direkt hinter uns feiert eine große Familie Papas Geburtstag. Ich schätze, er ist 60 oder 65 geworden. Die drei gerade eben erwachsenen Söhne lümmeln am Ende des Tisches, kratzen genervt die Kräuter vom Steak, trinken den teuren Rotwein wie Wasser und sind ansonsten derart gelangweilt, dass sie nach kurzer Zeit anfangen, Minecraft oder ähnliches auf ihren iPhones zu spielen. Immerhin offenbar miteinander/gegeneinander. Papa ist trotzdem glücklich, seine jüngere Tochter plaudert nämlich aufgeregt mit ihm und himmelt ihn an. Oma, Opa und Mutti sind so mittendrin und tauschen den neusten Familientratsch aus.

Als erstes entdecken wir links neben uns Frau Unternehmergattin. Soni identifiziert auf Anhieb Kleidung und Handtasche im fünfstelligen Bereich. Bezahlt wahrscheinlich von ihrem klischeehaften Hanseaten-Mann, welcher wahrscheinlich Unternehmer im Gewürz- oder Kaffeehandel ist. Es wäre jedenfalls eine Schande, mit seiner riesigen Nase nicht in diesem Bereich erfolgreich zu sein. Außerdem identifiziere ich auch hier eine gewisse Langeweile, allerdings weniger am Tisch als vielmehr im Leben insgesamt. Aber das sind natürlich alles nur Klischees.

Übrigens: Vorsicht vor Klischees. Rechts von uns sitzt ein älterer Herr, stattlich mit schlohweißem Haar. Ihm gegenüber in unserem Blickfeld eine bildhübsche Frau, deutlich jünger als Soni. „War ja klar, alter weißer Mann mit Geld und seine Gespielin“ denken wir und verdrehen innerlich die Augen. Als wir später gehen, sehen wir neben ihm – vorhin nicht in unserem Blickfeld – eine ebenso bildhübsche Frau, ebenso alt wie der weißhaarige Mann. Und es ist unverkennbar eine Vater-Mutter-Tochter-Konstellation dort am Tisch.

Welche Klischees auch immer wir hervorrufen bei den anderen Gästen, irgendwann kurz vor der Sperrstunde gehen wir fröhlich knutschend zu Walter, sind satt, zufrieden und leicht angetüddert. Karlchen dagegen findet das alles doof. Es ist ihm zu laut, zu hell und überhaupt: „Wo wart ihr denn so lange ohne mich“.

Schon immer wollten wir über Nacht mal am Fischmarkt stehen. Gesagt, getan. Die knapp 200m zurück findet Walter alleine, mit unserer Hilfe sogar einen freien Platz. Mit Blick auf den geschäftigen Hafen schlafen wir zufrieden ein.

Guten Morgen Frau Tiedemann, wie hast Du geschlafen“ säusele ich meiner Frau am nächsten Morgen ins Ohr, als sie zwei Stunden nach mir wach wird.

Hör bloß auf, Polizeisirene, Party, Kopfsteinpflaster und Regen auf dem Dach. Wer soll denn da schlafen?

Ich kriege mich fast nicht mehr ein vor Lachen – genau so geht es mir auch. Wenn ich überhaupt geschlafen habe, dann nur kurz und mit laufender Unterbrechung. Ständig hatte ich das Gefühl, jemand steht direkt am Walter, der LKW hinter uns löst ein Erdbeben aus und die Möwen kreischen mir ins Ohr. Fehlt nur noch, dass ein Parkplatzwächter mit der Taschenlampe zu uns reinleuchtet. Ach ja, hat er ja auch. Kurz nach 6, als ich schon aufgestanden war.

Wann ist es eigentlich passiert, dass wir solche Pullerlieschen geworden sind? „Früher“ waren wir selbst diejenigen, die nicht laut genug sein konnten und bis zum Sonnenaufgang durchgefeiert haben. Und jetzt? Können wir in Hamburg nicht mehr ruhig schlafen. Ich glaub es ja nicht!

Wie auch immer – wir lieben Hamburg trotzdem. Der erste Kaffee im Regen an der Kaimauer ist durch nichts zu ersetzen. Höchstens vielleicht durch ein Frühstück am Strand. Und das holen wir uns jetzt. Auf geht’s an die Küste.

Walter schafft es bis zur nächsten Tankstelle, dort gibt’s neben Diesel noch einen Kaffee und nach einer guten Stunde sind wir auch schon da. Wie gestern auch mehr als pünktlich. Was ist hier los? Sollte uns das Eheleben etwa …. nein! Denk nicht einmal daran! Wild & geil soll es sein, eigentlich.

Wir haben einen Termin, aber der verläuft eher enttäuschend. Macht nichts, wir ziehen weiter und erkunden die Küste. Nach einem klassischen Mittagessen fängt es an zu regnen. Nicht so richtig, sondern so feine, fisselige Bindfäden, die überall reinkriechen. Und wenn sie es nicht schaffen, reinzukriechen, drückt der Wind das Wasser durch alle Poren. Es ist widerlich! Und es hört nicht auf. Es wird immer mehr Wasser und immer mehr Wind.

Walter stemmt sich tapfer gegen den Wind, auch wenn er inzwischen eher Schlangenlinien fährt. Aber als Kapitän eines so stolzen Schiffes kann ich das natürlich nicht zugeben. „Wind ist erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben“ zitiere ich mich selbst und fahre tapfer weiter.

Wohin eigentlich? Keine Ahnung. Die letzte Station unserer Rundreise haben wir absolviert und wollten uns jetzt eigentlich einen Stellplatz für die Nacht suchen. Am liebsten direkt am Wasser.

Bei dem Sturm? Selbst ich muss inzwischen zugeben, dass das keine verlockende Idee ist. Die ersten Schafe dürften inzwischen tatsächlich keine Locken mehr haben, wenn sie nicht vorher ertrunken sind. Es schüttet und stürmt wie Odins Rache.

und warum fahren wir nicht einfach nach Hause?“ fragt mich meine frisch angetraute von der Seite. Habe ich wirklich….? Ja! Und sie hat irgendwie Recht. Ob wir jetzt im Sturm und Regen an der Küste stehen und schlecht schlafen oder zu Hause voll die Spießer sind – dafür aber gut schlafen – ist eigentlich keine schwere Entscheidung.

Karl brauchen wir gar nicht erst zu fragen, der findet sowieso gerade alles doof. Teeny eben. Also los. Nach zwei Stunden rollen wir sicher und trocken auf den Hof. Die alten Mauern empfangen uns mit Wärme und Sicherheit. Noch einen Schlummertrunk und am nächsten Morgen werden wir das Gefühl haben, noch nie so gut geschlafen zu haben. Es wird Streuselkuchen zum Frühstück geben und einen Plan für die nächste Tour. Richtung Süden, in die Sonne. Gute Nacht! Und schlaft gut!

back again – Ostseewellen, CheeseCake und sonst nix

Wir haben es wieder getan!

Nach zwei Monaten „Winterpause“ waren die Platzbesetzer wieder unterwegs.

Ein kurzes Wochenende an der Ostsee. Zufall? Hört selbst.

Ein kurzer Podcast, ein kurzes Lebenszeichen.

Viel Spaß!

der neue Podcast – ein kurzes Lebenszeichen von den Platzbesetzern.
kurz die Augen schließen und genießen 😉

Club der toten Männer

Was machen (verheiratete) Männer eigentlich am Sonntag?
Sie erfüllen ihre Pflicht und gehen zum Bäcker!

Seltene Einblicke in einen geheimen Club, über den sonst niemand spricht!

Das Sonntagsfeeling zum Lesen.

Für Dich selbst, Deine Frau oder zum Verschenken.

„Club der toten Männer“
Kurzgeschichten aus dem Alltag eines verheirateten Mannes

Gibt es hier als E-Book oder Taschenbuch

Schrankwand trifft Van – eine Plauderei unter Campern

Moin Herr Nachbar!

Wenn man auf dem Platz nebeneinander steht, kann man sich ja auch mal unterhalten.

Vor allem, wenn ein Van und ein Wohnmobil nebeneinanderstehen. Bei dem ein oder anderen Glas Wein wird es im Walter richtig gemütlich.

Viel Spaß bei philosophischen Betrachtungen über Schrankwand vs. Van, Gasgrill vs. Holzkohle, Handstaubsauger vs. Handfeger und den heißesten Tipps für den nächsten Traumplatz.  

Heute mit Nick, Marco, Soni, Björni & Karl. Viel Spaß beim zuhören!

Oder direkt bei Spotify hören: Hier klicken

(Empfehlung: der youtube-Kanal von Nick und Marco: VANtertainment – YouTube)